Meine Geheimtipps für die schönsten Dörfer und Sehenswürdigkeiten in Kampanien

Schon viele Jahre stand Kampanien als Reiseziel auf meiner Bucket Liste, wobei ich bei einer Reise nach Kampanien an eine Städtereise nach Neapel, einen romantischen Urlaub an der Amalfiküste oder den Besuch von Pompeij dachte. Nun habe ich es vor kurzem endlich nach Kampanien geschafft. All die Sehnsuchtsorte, die ich eigentlich besuchen wollte, habe ich bei dieser Reise allerdings links liegen gelassen und habe mich stattdessen aufgemacht zu einem Roadtrip durch das unbekannte Hinterland Kampaniens, in das sich bis heute nur wenige Touristen verirren.

Erwartungen hatte ich praktisch keine an diese Reise, denn um ehrlich zu sein wusste ich einfach nichts über diesen Teil Kampaniens. Umso mehr überraschte mich Kampanien. Nie hätte ich gedacht, dass die Region in Süditalien so grün ist, dass ich mich auf einmal auf fast 2000 Meter hohen Berggipfeln wiederfinden würde, dass mich die kleinen mittelalterlichen Bergdörfer der Region so in ihren Bann ziehen würden und dass die Menschen hier so unfassbar gastfreundlich sind, wie ich es nur selten auf Reisen erfahren habe.

In diesem Artikel findest Du all meine Geheimtipps für einen Roadtrip durch das unbekannte Hinterland Kampaniens inklusive Tipps für die schönsten Dörfer, Sehenswürdigkeiten, Aktivitäten und natürlich gibt’s wie immer auch ganz viele kulinarische Highlights. Viel Spaß beim Lesen und ich hoffe, dass Du nach dem Lesen dieses Artikels von Kampanien jenseits der ausgetretenen Touristenpfade genauso verzaubert bist wie ich.

01 Wo liegt Kampanien?

Kampanien ist eine Region an der Westküste Italiens und zählt zu den Regionen des Mezzogiornos im Süden der Apenninhalbinsel. Begrenzt wird die Region im Westen vom Tyrrhenischen Meer. Zudem grenzt Kampanien an Latium, Molise, Apulien und Basilicata. Neapel ist die Hauptstadt der fruchtbaren Region, welche einst von den Römern den Namen « Campania felix » (auf Deutsch glückliche Landschaft) erhielt. Kampanien ist bekannt für seine antiken Ruinen, die atemberaubend schöne Küste, seine zauberhaften Landschaften, seine kulturellen Traditionen und eine der chaotischsten aber schönsten Städte Italiens: Neapel.

02 Die 10 schönsten Bergdörfer im Hinterland Kampaniens, die Du nicht verpassen solltest

01 Cusano Mutri
02 Pietraroja
03 Calitri
04 Conza della Campania
05 Rocca San Felice

06 Cairano
07 Quaglietta
08 Padula
09 Sanza 
10 Morigerati

03 Roadtrip durch das Hinterland Kampaniens

01 Benevento – eine Reise durch die historische Hügellandschaft Samnium

Der erste Stopp auf unserem Roadtrip durch Kampanien war die Provinz Benevento, welche die historische Hügellandschaft Samnium, auf italienische Sannio, umfasst. Charmant zeigt sich die Provinz mit seinen weitläufigen Weinbaugebieten, den Olivenhainen, den bewaldeten Bergrücken und den zauberhaften kleinen Bergdörfern. Benevento eignet sich hervorragend für all die, die gerne Wandern und Mountainbiken gehen. Aber auch Kulturinteressierte kommen in diesem Teil Kampaniens voll auf Ihre Kosten.

Die schönsten Dörfer in der Provinz Benevento

Cusano Mutri

Ausgangspunkt für unsere Tage in der Provinz Benevento war das kleine Bergdorf Cusano Mutri, das als Perle des Regionalparks Matese und eines der schönsten Dörfer in Italien gilt. Wie viele andere Besucher zuvor hat Cusano Mutri uns mit seiner über tausendjährigen Geschichte, der herzlichen Gastfreundschaft, den alten Traditionen und den typischen Aromen der Region verzaubert.

Das historische Zentrum des Dorfes ist ein verrücktes und gleichzeitig ganz bezauberndes Labyrinth aus kleinen Gassen und zahlreichen Treppen. Am besten lässt man sich hier einfach treiben, denn hinter jeder Strassenecke erwarten einen wundervolle Ausblicke und Überraschungen. 

Nicht verpassen solltest Du die Piazza Roma mit der imposanten steinernen Treppe, die schöne Piazza Lago und die Via San Nicola. Sehenswert sind zudem die zahlreichen Kirchen des Ortes, wie zum Beispiel die Chiesa dei Santi Apostoli Pietro e Paolo, die mit ihrem Glockenturm und der Kuppel alles überragt und das Bild von Cusano Mutri prägt. Außerdem solltest Du die Chiesa di San Giovanni Battista besuchen, um einen Blick auf « La Spina Santa » zu werfen, ein Dorn der angeblich aus der Krone von Jesus Christus stammt und die Dorfbewohner von Cusano Mutri schon häufig vor großem Leid bewahrt hat.

Highlight in Cusano Mutri ist die einmal jährlich stattfindende Infiorata: An Fronleichnam werden die Plätze, Strassen und Kirchen des kleinen Bergdorfs traditionell üppig mit Blütenblättern und Pflanzen geschmückt und am Abend gibt es eine große Prozession. Zu dem findet jedes Jahr Ende September die Sagra dei Funghi statt, das Fest der Pilze, und bildet ein weiteres Highlight im Veranstaltungskalender des Dorfes.

Besuche die lokalen Produzenten in Cusano

Für alle Bierliebhaber lohnt ein Besuch der Brasseria del Matese von Marino. Mit Zutaten, die ausschließlich aus der Region stammen – ja sogar Hopfen wird hier tatsächlich angebaut –, braut Marino in seiner kleinen Brauerei unfassbar gute Craft Biere. Mein persönlicher Favorit ist das Pale Ale. Auch die saisonalen Biere solltest Du aber unbedingt kosten. Zudem experimentiert Marino mit verschiedenen alten Sorten aus dem eigenen Garten. So gibt es zum Beispiel auch ein Traubenbier und Biere mit verschiedenen anderen Früchten.

Käseliebhaber kommen hingegen im Caseificio Vitelli Salvatore voll auf ihre Kosten, wo in liebevoller Handarbeit herrlicher Ziegenkäse hergestellt wird. Unbedingt solltest Du hier den Ziegenkäse mit frischem Trüffel kosten, denn dieser ist einfach himmlisch gut.

Nicht unbedingt zum Ziegenkäse mit Trüffel, aber zum frischen Ziegenkäse, passt der köstliche Honig, den Antonio und seine Familie in der La Fattoria dei Sogni produzieren, denn sie haben sich komplett den Bienen verschrieben. Ganz besonders lecker ist der Akazienhonig, aber auch der Wildblumenhonig schmeckt herrlich.

Die besten Restaurants in Cusano Mutri:
  • Die Pizzas in der Pizzeria Millenium werden mit viel Liebe und ausschließlich aus lokalen Zutaten zubereitet.
  • Im Herbst gibt es im La Piccola Perla del Matese fantastische Pasta mit Steinpilzen.
Pizzeria Millenium in Cusano Mutri
Giovanni macht die besten Pizzas in Cusano Mutri
Übernachten in Cusano Mutri

Die Provinz Benevento haben wir, wie bereits erwähnt, von Cusano Mutri aus erkundet. Übernachtet haben wir dort im B & B Casa Altieri, das sich in einem zauberhaften historischen Gebäude mitten im Herzen von Cusano Mutri gleich neben der Chiesa di San Pietro e Paolo befindet. Die Besitzerin Annarita hat uns jeden Morgen mit einem leckeren Frühstück mit vielen regionalen Spezialitäten verwöhnt und von der Terrasse des Hauses genießt man einen spektakulären Ausblick.

B & B Casa Altieri
Unser Zimmer im B & B Casa Altieri
Pietraroja

Rund 15 Minuten sind es mit dem Auto von Cusano Mutri nach Pietraroja, ein kleines Örtchen, dessen Name bis heute Rätsel aufgibt. Die einen vermuten, dass der Name aus dem Spanischen kommt, wo « Piedra roja » nichts anderes als « roter Stein » bedeutet, und auf die Bauxitvorkommen des Ortes hinweist. Andere glauben der Name stammt vom Lateinischen « Petra ruens », was soviel viel « bewegender Stein » bedeutet und auf die seismischen Wellen hindeutet, die durch ein Erdbeben entstehen, welche in der Region Gang und Gäbe sind.

Bereits seit dem 17. Jahrhundert ist Pietraroja für Wissenschaftler und Paläontologen von Interesse, denn der Boden in und rund um Pietraroja ist reich an Fossilien. Vor etwa 110 Millionen Jahren lag der kleine Ort nämlich nicht in den Bergen sondern in einer Lagune, welche von Fischen, Reptilien und Amphibien bevölkert war. Im Jahre 1981 wurden hier die guterhaltenen Überreste eines Babydinosauriers gefunden – der erste Dinosaurier-Fund in Italien, der den kleinen Ort Pietraroja auf der ganzen Welt berühmt machte. Mehr über diesen Dinosaurier und weitere Funde erfährst Du heute im geo-paläontologischen Park und dem dazugehörigen Museum.

Unbedingt solltest Du in Pietraroja außerdem La Prosciutteria besuchen. Die Prosciutteria ist ein Restaurant und gleichzeitig auch ein kleines Ladengeschäft mit Museum, in welchem Du mehr über die Herstellung des berühmten Schinkens aus Pietraroja erfährst, der seinen einzigartigen Geschmack durch die Bergluft der Region Matese erhält.

Cerreto Sannita

Das mittelalterliche Städtchen Cerreto Sannita vor den Toren des Regionalparks Matese wurde durch ein großes Erdbeben im Jahre 1688 dem Erdboden gleichgemacht. Ein tragisches Ereignis, das Tod und Zerstörung brachte, aber auch die Geburt des neuen Städtchens Cerreto Sannita, denn nach dem Erdbeben trafen die weitsichtigen Feudalherren jener Zeit eine radikale Entscheidung. Cerreto Sannita sollte weiter unten im Tal an einer sicheren Stelle neu errichtet werden und zwar als moderne offene Stadt mit regelmäßigem Grundriss und ohne Mauern, dafür mit breiten Alleen und weitläufigen luftigen Plätzen. Dies stand im krassen Gegensatz zu den mittelalterlichen Strukturen des alten Ortes mit seinen kleinen engen Gassen und den hohen Gebäuden, versprach aber mehr Sicherheit bei weiteren Erdbeben.

Einer dieser luftigen Plätze ist der Piazza San Martino, auf welchem sich die Stiftskirche San Martino mit seiner imposanten Treppe befindet. Sehenswert sind zudem zahlreiche Paläste im Barockstil. Diese sind auf Grund des Risikos von Erdbeben nur zweistöckig, wobei das Erdgeschoss aus Mauern mit quadratischen Steinen besteht und das zweit Stockwerk aus Tuffstein-Mauern, so dass die Gebäude weniger schwer sind.

Bei einem Spaziergang durch den Ort Cerreto Sannita, den die Bewohner liebevoll auch «  La Piccola Torino » nennen, stechen einem als erstes die Keramik-Strassenschilder und die allgegenwärtigen Keramikverzierungen an Parkbänken und Laternen ins Auge. Das kleine Örtchen Cerreto Sannita ist seit Jahrhunderten für seine Keramikkunst bekannt. Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt ist daher auch das Museo Ceramica Cerretese, in welchem Du mehr über die Tradition der Keramikherstellung erfährst, die nach dem großen Erdbeben von 1688 aufblühte, und die große Keramiksammlung des Museums bewundern kannst.

Darüber hinaus sehenswert sind die Domkirche und die Kirche San Gennaro Vescovo, in der sich ein Museum für sakrale Kunst befindet. Ebenfalls einen Besuch lohnen die feudalen Gefängnisse, sowie die alte und geschichtsträchtige Kirche San Rocco, die über eine eindrucksvolle Krypta verfügt.

Etwas außerhalb von Cerreto Sannita an der Strasse Richtung Cusano Mutri findest Du zudem die spektakuläre Ponte di Annibale, die berühmte Hannibal-Brücke, die während der Römerzeit über den Fluss Titerno gebaut wurde. Der Legende nach passierte der karthagische Heerführer Hannibal diese Brücke mit seinen Elefanten während dem Zweiten Punischen, um seine Kriegsbeute zu verstecken.

Die schönsten Wanderungen in der Provinz Benevento

La Leonessa

Von Cerreto Sannita führt ein rund 8 Kilometer langer Wanderweg durch das zauberhafte Telesina-Tal und anschließend hinauf zum Morgia Sant’Angelo. Der imposante Steinfelsen wird im Volksmund auch « La Leonessa », die Löwin, genannt. Warum weiß man wohl, wenn man den Felsen einmal gesehen hat. Bei uns dauerte das eine Weile, denn die Löwin hatte sich am Tag unserer Wanderung im dichten Nebel versteckt. Doch schließlich meinte der Wettergott es oben angekommen doch noch gut mit uns und « La Leonessa » zeigte sich von ihrer schönsten Seite. Die Ähnlichkeit mit einer Löwin war nicht zu übersehen. 

Die kolossale Katze, welche im Laufe der Jahrtausende durch atmosphärische Einflüsse geformt wurde, überwacht seit jeher die Ländereien von Sannio. Im felsigen Herz der Löwin findest Du eine kleine Höhle. Einst wurden hier wohl heidnische Götter angebetet. Um 700 n. Chr. wandelten die Langobarden die Höhle jedoch in eine Kapelle um, und widmeten sie dem Erzengel Michael. Beeindruckender als eben diese Höhle ist aber sicherlich der Ausblick, den man von hier oben auf die Keramikstadt Cerreto Sannita und die Region Benevento genießt.

Forre di Lavello

Die kurze, etwa 2 Kilometer lange Wanderung durch die Schlucht Forre di Lavallo zählt sicherlich zu einer der schönsten, die ich je gemacht habe. Die Landschaft in der Schlucht ist einfach beeindruckend und die Forre di Lavallo gilt als einer der bezauberndsten Orte im Regionalpark Matese. 

Über Millionen von Jahren hat sich der Fluss Titerno hier durch die Kalksteinfelsen gegraben und eine teils bis zu 30 Meter tiefe Schlucht hinterlassen, durch die man heute über einen alten Pfad aus der Zeit der Samniten, Stege und Brücken am Fluss entlang wandern kann. Sehenswert ist unterwegs die Grotta delle Fate (auf Deutsch Feenhöhle), eine künstliche Höhle, die in den 1960er Jahren angelegt wurde, um den nahegelegenen Staudamm zu überprüfen. Anschließend führt der Weg weiter zur Ponte del Mulino, den Überresten einer steinernen Bogenbrücke über den Titerno, die vermutlich bereits von den Samniten erbaut wurde. Sie wurde bis in die 1950er Jahre genutzt, um die alte Mühle namens « di Zì Fiore »  zu erreichen. Heute bildet sie ein spektakuläres Fotomotiv. Einen grandiosen Ausblick auf die Schlucht genießt man auch von der alten Holzbrücke, die die Forre di Lavello überspannt.

02 Die Irpinia – die grüne Provinz, die traurige Berühmtheit erlangte

Zweiter Stopp unseres Roadtrips durch Kampanien war die rund 100 Kilometer von Cusano Mutri entfernte Irpinia, auf Deutsch auch Irpinien, eine Hügel- und Gebirgslandschaft in der Provinz Avellino und eine der grünen Lungen Italiens. Bekannt ist die Irpinia vor allem für ihre ausgezeichneten Weine und den Pecorino di Carmasciano. Traurige Berühmtheit erlangte Irpinien jedoch auf Grund des schweren Erdbebens am 23. November 1980 durch das mehr als 2700 Menschen ums Leben kamen. Erdstöße der Stärke 6,89 erschütterten damals die Regionen Kampanien und Basilicata, doch kein Ort war so schwer von dem Erdbeben betroffen wie die Irpinia. Viele Städte und Dörfer wurden damals komplett zerstört. Viele davon wurden anschließend wieder neu aufgebaut, andere sind seitdem jedoch Geisterstädte. 

Die schönsten Dörfer und Orte in Irpinien

Calitri

Ausgangspunkt, um Irpinien zu erkunden, war für uns der kleine bunte Ort Calitri, der hoch oben auf einem Hügel thront und uns mit atemberaubenden Ausblicken und den schönen Wandgemälden, die man an den Fassaden der Häuser im Dorf findet, verzaubert hat. Sehenswert ist zudem das Castello di Calitri Diroccato, das heute ein Keramikmuseum beherbergt.

Essen in Calitri:
  • Osteria Tre Rose: Hier solltest Du unbedingt die Canazze und Cingul, zwei traditionelle Pastagerichte aus Calitri, kosten.
  • Traditionelle Nudelspezialitäten gibt’s  im Golden Mill ebenfalls, aber auch leckere Pizzas.
Übernachten in Calitri: 

Übernachtet haben wir in Calitri im Vicolo72, einer urigen und zugleich sehr modern eingerichteten Ferienwohnung, die mit einer kleinen Küche und einem Essbereich daher kommt. 

Morra de Sanctis

Morra de Sanctis ist ein kleines Örtchen, das hoch über dem Fluss Ofanto im Herzen der Provinz Avellino thront. Bedingt durch seine Lage gibt es praktisch kein Haus in Morra des Sanctis von welchem man nicht einen traumhaften Ausblick über das grüne Irpinien genießt. Bis 1934 war Morra de Sanctis unter dem Namen « Morra Irpino » bekannt. Der Ort änderte seinen Namen dann jedoch in Morra de Sanctis, um an den bekannten Literaturkritiker Francesco de Sanctis zu erinnern, der hier geboren wurde. Sein Geburtshaus kann noch heute besichtigt werden. Sehenswert ist zudem der Palazzo Molinari, das wohl schönste Herrenhaus von Morra. Besonders sehenswert sind hier die wundervollen bis heute erhaltenen Fresken.

Die Ursprünge von Morra sind sehr alt. Archäologische Funde belegen, dass das Dorf bereits während der Oliveto-Cairano-Kultur im 6. Jahrhundert gegründet wurde, allerdings wurde es wohl bereits in der Altsteinzeit von Gruppen von Jägern und Sammlern frequentiert. Zahlreiche archäologischen Funde, wie etwa Keramiken und Bogenarmbänder zeugen davon. Bewundern kann man diese im Museum des Castello Medievale Biondi Morra, einem Herrenhaus aus dem 9. Jahrhundert.

Auch einen Blick in die zahlreichen Kirchen des Ortes sollte man werfen, wie zum Beispiel die Chiesa dei Santi Pietro e Paolo, die Chiesa di San Rocco, die Chiesa di Montecastello und die Chiesa di Santa Lucia. 

Eine weitere historische und kulinarische Besonderheit in Morra, die wirklich erwähnenswert ist, sind die köstlichen Speisen mit Kabeljau, die in den Restaurants von Morra de Sanctis noch heute nach jahrhundertealter Tradition zubereitet werden. Nun mag das wundern, denn Morra de Sanctis liegt weit entfernt vom Meer. Doch durch das Salzen wird der Kabeljau mehr oder weniger unendlich lange haltbar, was die Normannen schon vor 1000 Jahren wussten. Sie waren es, die den Salzfisch wohl einst mit nach Morra de Sanctis brachten.

Sant’ Andrea di Conza

Das kleine Dorf Sant’ Andrea di Conza, benannt nach dem Apostel Andreas, liegt direkt an der Grenze zur Region Basilicata, was man vor allem auf dem Tisch erkennt. Hier kommen viele typische Spezialitäten aus der Basilicata auf den Tisch, wie zum Beispiel Gerichte mit Peperone Crusco, Caciocavallo-Käse oder frischem Mozzarella.

Doch in Sant’ Andrea di Conza gibt’s nicht nur leckere Spezialitäten, die Du unbedingt kosten solltest. Auch das kleine Dorf selbst hat einiges zu bieten. Am meisten hat uns bei unserem Spaziergang durch die engen kleinen Gassen des Ortes die Gastfreundschaft der Menschen fasziniert. Jeder « Santandreani » grüßt, jeder hält einen kurzen Plausch, sobald er erkennt, dass man nicht von hier ist und ganz fix wird man auch mal auf ein Bier oder einen Aperol eingeladen, ohne dass man ablehnen kann.

Ein Spaziergang durch Sant’ Andrea di Conza führt Dich durch zauberhafte kleine Gassen des historischen Zentrums mit seinen mittelalterlichen Torbögen, wie zum Beispiel dem Arco delle Terra, und hübschen kleinen Geschäften, wie zum Beispiel Lu Faucion, wo traditionelle schmiedeeiserne Kunstwerke aus der Region verkauft werden. Zudem lohnt der Besuch der Ex Fornace di Laterizi, der alten Ziegelei von Sant’ Andrea di Conza. Sie bot vielen Generationen « Santandreani » einen Arbeitsplatz, bis sie durch das große Erdbeben am 23. November 1980 stark beschädigt wurde. Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten erstrahlt die alte Ziegelei heute in neuem Glanze und wird als Kulturzentrum genutzt. Zudem ist sie ein seltenes Beispiel für Industriearchäologie in Italien.

Sehenswert ist außerdem der alte Bischofspalast aus dem 13. Jahrhundert, der heute das Rathaus des kleinen Dorfes beherbergt. Von den beiden Türmen des Bischofspalasts genießt man einen atemberaubenden Ausblick über Sant’ Andrea di Conza. Im Garten des Bischofspalasts findet man zu dem einen monumentalen Springbrunnen aus dem 17. Jahrhundert und eine große Freilichtbühne, auf der im Sommer fast jeden Abend Theaterstücke aufgeführt werden. Gleich neben dem Bischofspalast findest Du die Überreste des Franziskanerkloster Santa Maria della Consolazione. Zudem gibt es in Sant’ Andrea die Conza eine Ruine einer alten Wassermühle aus dem 18. Jahrhundert. In dem Waschhaus gleich nebenan kommen die Frauen des Dorfes noch heute zusammen, um die Wäsche mit Hand mit dem frischen Quellwasser zu waschen.

Essen in Sant’ Andrea di Conza

Zum Essen kann ich Dir in Sant’ Andrea di Conza das gemütliche Restaurant Da Alfredino empfehlen. Hier gibt’s leckere Pizza und köstliche regionale Spezialitäten, wie Cavatelli con la Mollica di pane fritta e peperoni cruschi (Handgemachte muschelförmige Pasta mit gerösteten Semmelbröseln und Crusco-Pfeffer), und der Koch kommt noch selbst an den Tisch, um sich mit seinen Gästen zu unterhalten.

Conza della Campania 

Nur wenige Minuten entfernt von Sant’ Andrea di Conza befindet sich der Ort Conza delle Campania. Wobei der moderne Teil des Dorfes, der sich im Tal befindet, nicht weiter erwähnenswert ist. Sehenswert ist jedoch das alte Dorf Conza della Campania, beziehungsweise die Überreste des Dorfes und der Archäologische Park. 

Conza della Campania wurde während dem großen Erdbeben in der Irpinia am 23. November 1980 in nur 59 Sekunden praktisch dem Erdboden gleich gemacht. Einzig die Überreste der Kathedrale Santa Maria Assunta, einige eingestürzte Häuser und Teile alter Hausmauern sind noch zu sehen und lassen erahnen, dass hier einmal ein wunderschönes kleines Bergdorf stand.

Der wahre Reichtum von Conza della Campania ist heute der Archäologische Park von Compsa. Nach dem großen Erdbeben entdeckte man unter den Trümmern des Ortes die alte römische Stadt Compsa und während Ausgrabungen wurde ein römisches Amphitheater, ein der Göttin Venus gewidmeter Votivaltar, ein Thermalbad, sowie zahlreiche römische Gräber, Überreste des Forums und die Mauern zahlreicher Feudalpaläste freigelegt. Zudem fand man in den Trümmern des Dorfes auch Überreste einer noch älteren samnitischen Siedlung.

Um die Geschichte von Conza delle Campania zu verstehen, solltest Du unbedingt auch das kleine Museum im Archäologischen Park besuchen. Hier finden sich viele Fotos des einstigen Dorfes, aber auch Bilder aus den Tagen nach dem Erdbeben und verschiedene Artefakte, welche bei den Ausgrabungen gefunden wurde.

Conza WWF Oasis

In den 1970er Jahren wurde zwischen Lioni und Calitri, nur unweit des Ortes Conza della Campania, der Ofanto-Damm gebaut, um das Wasser aus dem Ofanto Fluss aufzustauen. So entstand der Lago di Conza. Heute ist der künstlich angelegte Stausee, der vor allem zur Bewässerung genutzt wird, der größte See in Kampanien.

Mittlerweile wurde er vom WWF unter Naturschutz gestellt, da der See jedes Jahr von Tausenden und Abertausenden Zugvögeln besucht wird und ihnen als Zwischenstopp auf dem Weg nach Afrika dient. Etwa 100 verschiedene Vogelarten halten sich am See auf und können bei einer Wanderung rund um den See beobachtet werden. Am Eingang zum Naherholungsgebiet gibt es zudem ein kleines Besucherzentrum, in welchem Du Dich über die verschiedenen Vogelarten und die Wanderwege rund um den See informieren kannst. Lohnenswert ist beispielsweise die Route « Cicogna bianca » (Weißer Schwan). Sie führt zu einer Aussichtsplattform, von der aus man Schwäne beobachten kann. Auf dem Themenweg « Sentiero delle Bacheche » befinden sich mehrere Schautafeln und Vitrinen mit Infos zur Tierwelt rund um den See.

Rocca San Felice 

Rocca San Felice erhebt sich auf einem Hügel und ist eines dieser typischen Dörfer in Irpinien, das sich rund um eine Burg, die in strategischer Postion erbaut wurde, entwickelt hat. 

Eben dieses Castello, beziehungsweise die Überreste – Teile einer Zisterne, des Eingangsportals und der pittoreske alte Rundturm (Donjon) – sind in Rocca San Felice wirklich sehenswert. Hoch oben auf einem Felsen oberhalb des Dorfes thronen die Überreste der Burg und überragen alles. Von dort oben genießt man einen traumhaften Ausblick über den Ort und Irpinien.

Sehenswert ist außerdem der schöne alte Brunnen auf der Piazza San Felice und die zahlreichen Kirchen des Ortes. Zudem gibt es ein kleines Stadtmuseum, in welchem Du zahlreiche Artefakte findest, die von der langen Stadtgeschichte zeugen. Gleich neben dem Museum findest Du die kleine Kunstgalerie des Künstlers Vito Rago. Hier gibt’s hübsche kleine Mitbringsel.

Lago di Mefite 

Nur unweit von Rocca San Felice befindet sich der Lago di Mefite. Der Legende nach ist er der Übergang von der Erde in die Unterwelt. Der Lago di Mefite ist jedoch kein See im eigentlichen Sinne. Sobald Du die Treppen zum Lago die Mefite hinabgestiegen bist, hörst Du die Erde blubbern und brodeln und der Untergrund scheint zu kochen, denn La Mefite ist ein Schwefelschlammsee – was man im übrigen auch riecht. Zu lange solltest Du Dich hier nicht aufhalten und am besten erkundest du die Umgebung mit einem ortskundigen Guide, denn die Dämpfe aus dem See im Ansanto-Tal sind sehr gefährlich und können sogar tödlich sein, was man an den vielen Tierkadavern am See gut erkennen kann. Dem Matsch aus dem Lago di Mefite sagt man jedoch auch heilsame Wirkungen nach.

Den Namen Mefite erhielt der See übrigens durch die Hirpiner, die zum Volksstamm der italienischen Samniten gehörten, und sich einst hier am See niederließen. Das Volk betete die heidnische Göttin Mefite an, die als Herrin über Leben und Tod galt, und bauten ihr zu Ehren einen Tempel am See. Von diesem ist heute nichts mehr übrig, einzig der Name ist geblieben.

Azienda agricola La Verga di Antonio Nigro

Nach dem Besuch von La Mefite solltest Du unbedingt der Azienda agricola La Verga di Antonio Nigro einen Besuch abstatten. Zusammen mit seiner Frau produziert Antonio Nigro auf seinem Hof neben zahlreichen anderen Produkten vor allem Pecorino di Carmasciano. Traditioneller italienischer Pecorino aus Schafsmilch wird zwar in vielen Orten Italiens produziert, doch der Pecorino di Carmasciano wird ausschließlich in der Region Carmasciano zwischen Guardia Lombardi und Rocca San Felice in den Bergen von Irpinien hergestellt. 

Die Rohmilch für den Pecorino di Carmasciano stammt dabei ausschließlich von Schafen der Rasse Laticaude, die es ausschließlich im kampanischen Apennin gibt. Die Schafe grasen fast das gesamte Jahr im Asanto-Tal nur unweit von La Mefite. Der Schwefelsee gibt, wie bereits oben beschrieben, gasförmiges Kohlendioxid und Schwefelsäure ab und diese werden vom Wind weitergetragen zu den Grasflächen der Schafe. So nehmen die Schafe diese beim Grasen ebenfalls auf und der Pecorino di Carmasciano erhält später seinen einzigartigen sehr würzigen und leicht schwefeligen Geschmack. Ganz wunderbar passt zu dem Käse übrigens ein Gläschen Taurasi.

Essen in Rocca San Felice
  • Etwas außerhalb von Rocca San Felice gibt’s im Ristorante La Ruota fantastische Antipasti und hausgemachte Pasta zum kleinen Preis und die Besitzer des kleinen Lokals sind ganz zauberhaft.
  • Traumhafte Ausblicke genießt man der Terrasse des Ristorante La Ripa – Museo und das Essen ist auch ziemlich fein.
Die Abtei von San Guglielmo al Goleto

Nur wenige Kilometer entfernt von Sant’Angelo dei Lombardi befindet sich die wirklich sehenswerte, halb verfallene und irgendwie romantische Abtei von San Guglielmo al Goleto. Das Benediktinerkloster wurde im Jahre 1114 vom vom Heiligen Guglielmo di Vercelli an der Stelle einer ehemaligen Kultstätte des römischen Sonnengotts errichtet. Der Gebäudekomplex umfasst drei Kirchen: die alte romanische, eine gotische und die große Kirche aus dem 18. Jahrhundert. Darüber hinaus gibt es ein Männerkloster und das bereits vom Heiligen Guglielmo di Vercelli gegründete Frauenkloster, das zur Verteidigung einst sogar einen Wehrturm erhielt.

Die Abtei wurde jedoch im Jahre 1807 durch Joseph Bonaparte aufgegeben und die sterblichen Überreste des Heiligen Guglielmo di Vercelli wurden in die Pilgerstätte Montevergine überführt. Über die nächsten 200 Jahre verfiel die einst so prunkvolle Abtei und fiel zudem dem Vandalismus und zahlreichen Erdbeben zum Opfer. So ist die große Kirche heute nur noch eine sehr eindrucksvolle Ruine. Wohlerhalten ist hingegen die zweischiffige St. Lukas-Kapelle, eines der kostbarsten Baudenkmäler Süditaliens. Das gut erhaltene Frauenkloster wird heute wieder von Mönchen bewohnt, die der von Charles de Foucauld gegründeten, missionarisch ausgerichteten Ordensgemeinschaft angehören.

Abtei von San Guglielmo al Goleto
Die Abtei von San Guglielmo al Goleto
Cairano

Das kleine Bergdorf Cairano thront auf einem imposanten Felsen zwischen Calitri und Conza della Campania und hat eigentlich keine wirklich erwähnenswerten Sehenswürdigkeiten zu bieten. Dennoch zählt es für mich mit seiner Kirche, die alles überragt, zu den schönsten Bergdörfern, die ich während meiner Reise durch Kampanien entdeckt habe. Zauberhaft sind die kleinen Gassen des Ortes mit ihrem schönen Blumenschmuck. Folgt man dem « Sentiero Arcaico », einem kleinen Wanderweg der zu den sehenswerten Highlights des Ortes führt, gelangt man auf ein Plateau mit einer Windorgel, von dem man einen grandiosen Ausblick auf den Ofanto Fluss und das wunderhübsche Dorf hat.

Quaglietta

Das mittelalterliche Dorf Quaglietta erstreckt sich auf einem Felssporn. Highlight des kleinen Dorfes sind die Ruinen der Burg, die einst von den Langobarden erbaut wurde, um sich gegen die Sarazenen zu verteidigen. Rund um diese Burg wurde später das Dorf Quaglietta errichtet.

Die Burg selbst wurde während dem großen Erdbeben 1980 größtenteils zerstört, wie auch das Dorf. Dieses wurde im Gegensatz zur Burg jedoch neu aufgebaut. Dennoch lohnt ein Besuch der alten Burg, denn von dort oben bieten sich atemberaubende Ausblicke auf die wunderschöne Landschaft Irpiniens. 

03 Der Cilento – wo die Natur zum Schauspiel wird

Dritter und letzter Stopp auf unserem Roadtrip durch Kampanien war das reizvolle Cilento-Gebiet, das sich zwischen Paestum, Sapri und dem Diano-Tal erstreckt. Bedeutende Teile des Cilento gehören zum Nationalpark Cilento und Vallo di Diano, welcher 1998 zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde. Steilküsten, Sandstrände, Flusstäler, unberührte Berge und mittelalterliche Dörfer, die an diesen wie Trauben kleben, bieten hier eine abwechslungsreiche Landschaft und der Cilento ist damit der perfekte Ort für Aktivurlauber und Kulturinteressierte.

Die schönsten Dörfer im Cilento

Padula 

Ausgangspunkt unserer Reise durch das Cilento war das kleine Städtchen Padula. Die Geschichte des kleinen Ortes Padula geht bis ins 9. Jahrhundert zurück als das Bergdorf auf einem Hügel mit einer Festung zum Schutz vor den Sarazenen erbaut wurde. Dies beweisen zahlreiche Fundstücke aus antiken Gräbern, die man heute im Museum der Kartäuserkloster in Padula bewundern kann.

Womit wir auch schon bei der wichtigsten Sehenswürdigkeit von Padula sind. Den Besuch der wunderschönen Kartause solltest Du bei einer Reise nach Padula nämlich auf keinen Fall verpassen. Das pompöse Certosa di San Lorenzo ist heute UNESCO-Weltkulturerbe und der Kreuzgang des Kloster gilt als der größte der Welt.

Doch Padula hat noch mehr zu bieten als nur das berühmte Kloster. Auch ein Spaziergang durch die hübsche Altstadt mit ihren malerischen kleinen Gassen lohnt und ist zudem ein echter Geheimtipp. Touristen findet man hier kaum, die kommen meist nur um das Kloster zu besuchen. In der Stadt finden sich überall Hinweisschilder mit Infos zu allen Sehenswürdigkeiten. Besonders hübsch sind außerdem die zahlreichen Skulpturen, welche über die ganze Altstadt verteilt sind.

Am « Belveder » findest Du die Statue von Joe Petrosino, einem der berühmtesten Einwohner der Stadt, der später in die Vereinigten Staaten immigrierte und in New York Polizist wurde. Im Jahre 1909 wurde er im Auftrag des sizilianischen Paten Cascio Ferro erschossen. Heute gilt er als Pionier in der Bekämpfung des organisierten Verbrechens. Doch nicht nur die Statue des berühmten NYPD-Polizisten findet sich am « Belveder ». Man genießt von dort auch traumhafte Ausblicke auf die gigantische Kartause von Padula und die Umgebung. Besonders romantisch ist das bei Sonnenuntergang. 

Zu dem solltest Du unbedingt das Geburtshaus von Joe Petrosino besuchen. Darin befindet sich heute ein cooles kleines Museum, das dem mutigen und berühmtesten Polizist des NYPD gewidmet ist, der einst gegen die Mafia kämpfte.

Padula im Cilento, Kampanien
Essen in Padula:
Übernachten in Padula

Übernachtet haben wir in Padula im kleinen B & B Il Tiglio, das etwas außerhalb des Ortes mitten im Grünen liegt und bei uns vor allem mit dem großen Garten und den vielen Tieren gepunktet hat. Morgens wird hier ein leckeres Frühstück mit hausgemachten Marmeladen und köstlichen italienischen Kuchenspezialitäten serviert.

Sanza

Sanza ist rund 20 Kilometer entfernt von von Padula und ist der perfekte Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen und Radtouren durch den Nationalpark Cilento und Vallo di Diano. Doch Du solltest unbedingt auch einen Spaziergang durch malerische kleine Dorf mit seinen bezaubernden mit Blumen geschmückten Gassen machen und in einem der kleinen Restaurants des Bergdorfes etwas Essen gehen, denn die Menschen in Sanza sind bekannt für ihre herzliche Gastfreundschaft.

Besonders sehenswert sind die zahlreichen Palazzi und die Piazza San Martino mit dem alles überragenden Glockenturm. Der Glockenturm ist ein Überbleibsel der antiken Pfarrkirche San Martino, welche bei einem Erdbeben um 800 n. Chr. zerstört wurde.

Caselle in Pittari

Caselle in Pittari ist ein kleines Bergdorf auf einem Hügel, der mit dem Monte Pittari verbunden ist Das Dorf liegt oberhalb des Flusses Bussento, wobei der Bussento außerhalb des Ortes in einem Senkloch verschwindet und über 5 Kilometer unterirdisch verläuft. Das Vallivona-Senkloch ist eines der sehenswerten Highlights von Caselle in Pittari und sicherlich ist die Natur rund um den kleinen Ort der eigentlich Star der Gegend. Doch auch Caselle in Pittari selbst, das einst erbaut wurde um die Region gegen Piraten zu schützen, ist ganz entzückend und Du solltest Dir ein wenig Zeit nehmen das kleine Örtchen mit seinen zauberhaften steilen kleinen Gassen zu erkunden. Sehenswert sind vor allem die beiden Kirchen Santa Maria Assunta in Cielo und San Michele.

Von der alten Burg, die einst das Dorf beherrschte, steht einzig und allein noch die Ruine eines Turms, die alles überragt. Besteigen kann man den Turm selbst nicht, aber vom Platz vor dem Turm genießt man einen traumhaften Ausblick über den Ort.

Essen in Caselle in Pittari

Besuche die urige Osteria Tancredi und genieße während dem Essen den traumhaften Ausblick über das kleine Bergdorf und das Cilento.

Casaletto Spartano

Der Ortsname Casaletto Spartano leitet sich von dem in der Gegend weit verbreiteten Espartogras ab, dessen Blätter auch zur Herstellung von Seilen und Papier verwendet werden. 

Sehenswert ist in Casaletto Spartano neben den kleinen schönen Gassen des mittelalterlichen Ortes vor allem die Chiesa San Nicola di Bari mit ihrer ungewöhnlichen und wertvollen Stuckdekoration im Inneren. 

Ein echter Hingucker ist auch die Fassade des Palazzo Baronale dei Gallotti im Weiler Battaglia, etwas außerhalb von Casaletto. Der Palazzo gehört heute der Deutschen Miriam und ihrem italienischen Ehemann Roberto, der der Galotti-Familie entstammt. Die beiden haben den Palazzo Galotti in über zehn Jahren mit viel Liebe zum Detail renoviert. Heute beherbergt er auch ein kleines zauberhaftes Bed and Breakfast. Hier kannst Du einmal in einem echten Palazzo übernachten und Dich selbst wie eine echte Baronin fühlen, zumindest für kurze Zeit. Die Zimmer sind großzügig und mit viel Liebe zum Detail eingerichtet und das Frühstück mit den selbst gepflanzten, selbst gezupften, selbst gezüchteten und selbst gemachten Spezialitäten ist einfach himmlisch gut. Zudem bieten Miriam und Roberto tolle geführte Wanderungen an, um die Gegend zu erkunden.

Ein Wanderweg führt beispielsweise zu den magischen Wasserfällen Capelli di Venere (auf Deutsch « die Haare der Venus »). Etwa einen Kilometer außerhalb von Casaletto Spartano verwandelt sich der Fluss Bussentino in malerische Wasserfälle. Besonders in der Abendsonne ist dieser Ort einfach wunderschön, denn dann wirkt er durch das Spiel von Licht und Schatten als wäre er einem Märchen entsprungen. Da mag man den Geschichten der Einheimischen fast glauben, dass man hier ab und an auch Elfen und Feen sehen kann.

Der Legende nach ruhte die Göttin Venus, Göttin der Liebe und der Schönheit, an heißen Sommertagen gerne im kühlen Schatten am Wasserfall und schlief oft ein während sie den Klängen der Natur lauschte. Eines Tages kam ein Hirte mit seiner Herde vorbei und verliebte sich sofort unsterblich in die schöne Göttin. Tagelang beobachtete er sie und war von ihrem langen goldenen Haar geradezu besessen. Da er sie nicht haben konnte, wollte er zumindest eine Strähne ihres Haares, um so für immer einen Teil von ihr bei sich zu haben. So schnitt er ihr eines Nachts eine Strähne ab, wovon die Göttin erwachte und der Hirte floh mit den Haaren in der Hand.

Sodann verwandelten die Haare sich in Wasser, das immer höher und höher stieg und der Dieb drohte zu ertrinken. Doch die Göttin hatte kein schlechtes Herz und verwandelte ihn in eine Pflanze, die heute bei den Wasserfällen, geboren aus ihren Haaren, wächst. So kam der Wasserfall zu seinem Namen « Haare der Venus ». Die Legende bezieht sich auf den Capelvenere, auf Deutsch Jungfernhaarfarn, der rund um die Wasserfälle üppig wächst.

Morigerati

Das kleine befestigte Bergdorf Morigerati war einst ein Pilgerort auf dem Weg von Rom nach Jerusalem. Noch heute präsentiert sich das kleine Dorf mit mittelalterlichem Kopfsteinpflaster, malerischen engen Gassen und typisch mediterranen Häuserreihen mit herrlichen Innenhöfen. Bei einem Spaziergang durch die romantische Altstadt kannst Du beispielsweise die Casa Meridiana mit ihrer schönen Sonnenuhr entdecken, aber auch zauberhafte kleine Plätze und herrliche Ausblicke auf das Bussento-Tal und die unberührte Natur. 

Unübersehbar ist der Palazzo Baronale. Das Kastell diente der San Severino Familie einst als Regierungssitz und wird noch heute von den Erben bewohnt. Auch der Wallfahrtskirche San Demetrio mit ihrem roten Glockenturm solltest Du einen kurzen Besuch abstatten. Hier findest Du die Ikone der heiligen St. Demetrius, der heute wie einst das Dorf bewacht, das durch einen griechisch-orthodoxen Mönchsorden gegründet wurde.

Sehenswert ist außerdem das kleine aber feine Museo Etnografico della Cultura Contadina im einstigen Kloster von St. Anne. Das Ethnographische Museum für Bauernkultur wurde 1994 von Clorinda und Modestina Florenzano ins Leben gerufen. In den 12 Zimmern des Heimatmuseums findest Du eine beachtliche Sammlung von Kleidung, Utensilien für den täglichen Gebrauch und Werkzeuge, die seit den 1960er Jahren gesammelt wurden. Bei einer kleinen Führung, die auch auf Deutsch möglich ist, erfährst Du mehr über all diese Gegenstände und die Bewohner des Dorfes.

Morigerati ist zudem der Ausgangspunkt für eine Wanderung durch das Naturschutzgebiet Grotte del Bussento, welches unter Aufsicht des WWF steht. In einer großen Höhle, die man über eine enge Steintreppe erreicht, tritt hier der Bussento Fluss, der am Monte Cervati entspringt und dann zunächst für 5 Kilometer eine geheimnisvolle Reise durch die Tiefen der Unterwelt macht, das erste Mal wieder an die Oberfläche. Anschließend bahnt er sich von hier aus seinen Weg durch die spektakulären Schluchten, die vielen geschützten Pflanzen und Tieren eine Heimat bietet. 

Das Besucherzentrum der WWF Oasi Grotte del Bussento bietet geführte Wanderungen durch die Schlucht an. Dabei geht es über zahlreiche Brücken bis hinein in die Höhle, in welcher der Fluss die Oberfläche erreicht. Sehenswert ist natürlich vor allem die spektakuläre Landschaft. Zudem gibt es im Park eine noch immer funktionierende historische Wassermühle, die mit dem Wasser aus dem Bussento Fluss betrieben wird.

Essen in Morigerati

In Morigerati solltest Du unbedingt eine kleine Pause einlegen und ein Mittagessen im Ristorante « Al Castello » genießen. Auf den Tisch kommt hier zuerst eine fantastische Auswahl an kalten und warmen Antipasti. Besonders die frittierten Zucchiniblüten waren ein absolutes Gedicht. Sehr zu empfehlen sind außerdem die Pasta e fagioli, Nudeln mit Bohnen, die handgemachten Farfalle und die selbst gemachten Ravioli gefüllt mit frischem Ricotta.

Tortorella

Tortorella ist ein zauberhaftes kleines befestigtes Dorf am alten Jakobsweg von Jerusalem nach Santiago de Compostela, davon zeugt das « Kreuz von Santiago » am Ortseingang. Am besten lässt du Dich auch hier einfach durch die engen kleinen Gassen treiben. Hinter zahlreichen kleinen Toren und Ecken lassen sich hier viele überraschende Entdeckungen machen. Besonders sehenswert sind der schöne alte Brunnen im Hof des Marchesale Palastes und die wunderschönen Gemüsegärten « intra moenia ». Heißt Gärten, die sich innerhalb der Mauern des Bergdorfes befinden. Diese wurden in längst vergangenen Zeiten angelegt damit sich die Dorfbewohner im Falle einer Belagerung versorgen konnten, wenn es nicht möglich war das Dorf zu verlassen und die Felder zu bestellen, die sich außerhalb der Mauern befanden.

Die schönsten Aktivitäten im Cilento

Wanderung Monte Cervati

Der Monte Cervati ist mit 1899 der höchste Berg im Nationalpark Cilento und Valle di Diano und zudem der höchste Berg Kampaniens. Die Wanderung bis hoch zum Gipfel ist tough. Einen Höhenunterschied von etwa 750 Metern musst Du bei dieser Tour bewältigen und solltest in etwa 5 bis 6 Stunden einplanen.

Wenn Du eine Stirnlampe dabei hast, solltest Du einen kleinen Abstecher durch den 500 Meter langen dunklen Tunnel machen, der Dich zur Doline von Vallivona führt. Diese ist ein riesiges Senkloch im Karstgestein, das über Millionen von Jahren dadurch entstand, dass das Wasser sich seinen Weg durch den höchsten Berg Kampaniens gesucht hat. Sobald du am Ende des Tunnels angekommen bist, ist es als würdest Du eine andere Welt betreten. Es ist ein bisschen als wärst Du irgendwo mitten im Dschungel. Majestätisch erheben sich die bis zu 100 Meter hohen Felswände um Dich herum, die Baumkronen hoch oben wehen im Wind und der kleine Wasserfall, der später zum Bussento Fluss wird, plätschert leise von sich hin. Der Ort hat etwas unfassbar Schönes und Magisches.

Anschließend führt der Weg weiter durch unberührte Natur, vorbei an schroffen Felsen und der Wallfahrtskirche « Madonna della Neve », die jedes Jahr viele Pilger anzieht. Kurz davor gibt es eine Hütte. Diese eignet sich wunderbar für ein herrliches Picknick mit frischen Produkten aus der Region und einem Gläschen Wein, bevor man anschließend gut gestärkt das letzte Stück zum Gipfel in Angriff nimmt. 

Ein kleiner Abstecher lohnt vorher zur Höhle La Nevera. Wirf einen Blick von oben in die Höhle, dann wirst Du erkennen, dass hier selbst in den Sommermonaten noch Schnee liegt, teilweise bis zu 5 Meter, hoch. Dank der Lage und der Temperatur in der rund 10 Meter tiefen Höhle schmilzt der Schnee hier niemals. 

Die Geschichte besagt übrigens, dass schon die alten Bourbonenkönige sich das Eis aus der Höhle im Sommer regelmässig mit Eseln ins Tal und anschließend mit dem Schiff nach Neapel bringen liessen, so dass sie an heißen Tagen ihr Sorbetto genießen konnten.

Endlich oben am Gipfel angekommen wird man mit einem atemberaubenden Ausblick auf das gesamt Cilento mit seinen zauberhaften mittelalterlichen Dörfern, den grünen Weinbergen, den herrlichen Kastanienwäldern und den Olivenhainen belohnt und an klaren Tagen kannst Du sogar den Stromboli in der Ferne erkennen.

E-Bike Tour auf der Via Silente von Sanza über Caselle In Pittari nach Casaletto Spartano

Ein Highlight unserer Zeit im Cilento war die E-Bike Tour auf der Via Silente von Sanza nach Casaletto Spartano. Wobei dies nur ein Teilabschnitt der Via Silente ist. Insgesamt ist der Rundweg Via Silente fast 600 Kilometer lang und führt in 15 Etappen durch den gesamten Cilento Nationalpark.

Mein Tipp

Wenn Du nicht gerade jeden Tag Fahrrad fährst, empfehle ich Dir definitiv die Via Silente mit einem E-Bike zu befahren. Die Strecke führt bergauf und bergab und ist auf jeden Fall eine körperliche  Herausforderung, aber dennoch ein unvergessliches Erlebnis. Auf den 42 Kilometern von Sanza nach Casaletto Spartano bewältigten wir etwa 700 Höhenmeter und wussten am Abend trotz E-Bikes definitiv was wir getan hatten. Dein eigenes Bike brauchst Du nicht mitbringen, KonosCycling vermietet ausgezeichnete Bikes und bringt Dir das E-Bike direkt zu Deiner Unterkunft.

Trotz aller Herausforderung war die Tour einfach wunderschön. Auf der Strecke offenbaren sich immer wieder herrliche Ausblicke auf die Berge, die Küste und auf die schönen Bergdörfer am Wegrand und zudem kann man während der Fahrradtour herrlich die unfassbare Ruhe genießen. Der Name des Radweges kommt nämlich nicht von ungefähr. Er setzt sich zusammen aus den Wörtern « Cilento » und « Silenzio », auf Deutsch Ruhe. Die hektischen Geräusche des Alltags wirst Du auf dem Radweg vergeblich suchen und in den Orten am Wegrand wird italienische Gelassenheit in Perfektion gelebt.

Wanderung auf dem Cammino di San Nilo von Casaletto Spartano nach Caselle in Pittari

Der Cammino di San Nilo ist ein rund 100 Kilometer langer Fernwanderweg durch das byzantinische Cilento. Unterteilt ist der Fernwanderweg jedoch in 8 Etappen. Der Weg von San Nilo beginnt in Sapri in der Provinz Salerno und schlängelt sich anschließend durch den Nationalpark Cilento und Vallo di Diana bis nach Palinuro. Prinzipiell ist die Wanderung für jedermann machbar, ein bisschen Kondition sollte man allerdings mitbringen, da es doch oft steil bergauf und anschließend wieder bergab geht. Unterwegs bieten sich jedoch atemberaubende Ausblicke auf das untere Cilento und zahlreiche Dörfer laden unterwegs zum Erkunden und Verweilen ein.

Abwechslungsreich sind die Etappen 3 und 4, welche wir gemacht haben. Etappe 3 brachte uns zunächst von Casaletto Spartano über Tortorella, hinab zum Rio Gerenaso, einem Nebenfluss des Bussentino. Durch den Wald von Farneto ging es anschließend über eine mittelalterliche Brücke nach Morigerati. Von dort ging es auf der 4. Etappe zunächst bergab in die bereits erwähnte  WWF Oasi « Grotte del Busento ». Anschließend gibt es rund 600 Höhenmeter zu bewältigen bevor man die eindrucksvolle Höhle von San Michele erreicht und von dort aus weitergeht nach Caselle in Pittari. Alternativ gibt es einen einfacheren Weg durch das charmante kleine Dorf Sicili.

Die Etappen 3 und 4 sind gemeinsam rund 19 Kilometer lang und somit sind die beiden Abschnitte als Tageswanderung perfekt machbar. Zudem gehört die 3. Etappe von Casaletto Spartano nach Morigerati sicherlich zu den spektakulärsten des gesamten San-Nilo-Wegs, allerdings auch zu einer der schwersten, da es eben sehr viele Steigungen gibt.

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Weitere Tipps & Reiseberichte aus Italien:

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Dieser Artikel entstand im Rahmen des Projektes « Viaggio Italiano » in Zusammenarbeit mit iambassador und dem ENIT – Italian National Tourist Board.

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Nina | Reisehappen Food- und Reiseblog
Nina

Hi! Ich bin Nina von Reisehappen! Bloggerin, Grafikerin & Illustratorin, Foodie und leidenschaftliche Köchin, Käseliebhaberin, Reisejunkie, Workaholic, Yoga addicted, 6 Kontinente – 70 Länder und noch immer vom Fernweh geplagt.