Eat like a Carioca: Ein Foodwalk durch Rio de Janeiro mit Culinary Backstreets

Bereits in Barcelona und Kuala Lumpur habe ich einen sogenannte Foodwalk gemacht und fand das eine ganz großartige Idee auch Rio de Janeiro und seine Menschen wirklich kennen zu lernen. Denn Essen ist nicht einfach nur Nahrungsaufnahme, so lernt man in meinen Augen die Kultur eines Landes kennen. Das Essen ist immer ein Teil der Kultur, genauso wie die Menschen und die Geschichte des Landes. Bei einem Foodwalk lernt man dies alles auf einmal kennen.

Seit meiner Foodtour in Barcelona war ich total begeistert von Culinary Backstreets und habe mich aus diesem Grund auch in Rio wieder dafür entschieden. Mit Culinary Backstreets bekommt man einen Blick hinter die Kulissen und einen Einblick in das Leben der Einheimischen und genau das macht diese Touren aus.

Vom ersten Moment der Tour in Rio wusste ich dass diese Entscheidung richtig war, als ich mich am abgemachten Treffpunkt mit Raffaele unserem Guide getroffen habe. Raffaele ist eigentlich Tänzer und Schauspieler aus Rom und nennt Rio de Janeiro seit 4 Jahren seine Heimat. Italien ist bekannt für seine gute Küche und gutes Essen ist Teil der italienischen Lebensphilosophie. So ist es nicht verwunderlich, dass Raffaele sich vor allem mit der Küche in Rio de Janeiro auskennt, aber auch sonst viele Geschichten seiner Wahlheimat erzählen kann und das natürlich mit ausgesprochen viel italienischem Charme und sehr gestenreich. Die Liebe zu Rio de Janeiro spürt man wirklich in jedem seiner Worte.

Die Gruppe war netterweise auch noch sehr klein, begleitet hat uns nur noch ein Pärchen aus New York. Zu viert hatten wir defintiv eine Menge Spaß, vielleicht auch Dank dem Cachaca und Bier!

The Crew

The Crew

Rio kulinarisch

Brasiliens Küche ist jetzt nicht gerade eine der bekanntesten der Welt. Viele denken wohl zunächst an schwarze Bohnen, oder schwere Eintöpfe, wie das Nationalgericht Feijoada, ein Bohneneintopf mit Fleisch. Auch Mocequa, ein brasilianischer Fischeintopf aus Bahia, mag einigen noch ein Begriff sein und Pastéis de Nata kennen viele wahrscheinlich aus Portugal, dieses sind aber auch für Brasilien ganz typisch.

Dazu ist die brasilianische Küche nicht gerade leicht. Vieles ist frittiert, sehr ölig, und viele Kohlehydrate sind Hauptbestandteil jeder Malzeit.

Brasiliens Küche ist jedoch eine wilde Mischung, die auch den bunten Mix der einzelnen Kulturen Brasiliens widerspiegelt. Geprägt ist die Küche von afrikanischen, kreolischen, indianischen und portugiesischen Einflüssen, aber auch deutsche, französische und italienische Einflüsse sind zu finden.

Ein Foodwalk durch Rio de Janeiro

Unser kulinarischer Spaziergang begann mitten im Centro von Rio, einem eher untypischen Viertel für Touristen. Die meisten Reiseführer erwähnen das Centro gar nicht weiter, denn hier befindet sich eigentlich nur der Finanz- und Handelsdistrikt Rio de Janeiros.

Doch eigentlich begann in genau diesem Stadtteil die Geschichte Rios, hier entstand 1565 die erste portugiesische Siedlung São Sebastião do Rio de Janeiro, hier kamen die ersten Sklaven aus Afrika an und hier wurde der Samba geboren. Noch eine heute ist es ein lebhafter Stadtteil und das pulsierende Herz Rios. Darüber hinaus erkennst Du vor allem in diesem Viertel den großen Einfluss der Franzosen und Portugiesen in Rio, denn hier stehen noch viele der wunderschönen alten Häuser aus der Kolonialzeit und geben diesem Stadtteil sein so besonderes Flair.

Darüber hinaus gibt es in diesem wenig bekannten und untouristischen Viertel noch viele traditionelle Restaurants und Bars.

Pastéis de Nata

Unser Tag begann mit einem Klassiker aus der portugiesischen Küche: Pastel de Nata, ein Blätterteigtörtchen mit Pudding, das ursprünglich wohl aus Lissabon kommt.

Pastel de Nata

Pastel de Nata

Aber es gab nicht nur irgendein Pastel de Nata, sondern eine göttliche Variante in einem der bekanntesten und ältesten Cafés Rios, der Confeitaria Colombo*. Das Kaffeehaus erinnert wohl eher an Wien und entführt einen auf eine Zeitreise in die elegante Welt der Belle Époque, fernab all der Hektik und des Trubels in Rio.

Sehr zu empfehlen sind neben den Pastéis de Nata auch sämtliche herzhaft gefüllte Blätterteigtörtchen, aber auch die Sandwiches und Romeo e Giulietta, ein weißer Weichkäse, der mit einem Gelee aus Guavenbirne serviert wird.

Besonders lecker fand ich das Lachssandwich mit Maracujasauce und Frischkäse. Dazu gibt es hier sehr leckeren frisch gepressten Ananassaft.

Du solltest allerdings unbedingt vor 12 Uhr hier vorbeischauen, danach stehst Du Schlange! Sonntags ist das Kaffeehaus geschlossen, da gehen die Cariocas lieber zum Strand.

Confeitaria Colombo

Confeitaria Colombo

Die Decke der Confeitaria Colombo

Die Decke der Confeitaria Colombo

Kaffee in Rio

Der heimische Arabica Kaffee ist das Nationalgetränk Brasiliens und Lebenselixier der Cariocas. Kaffee kann man natürlich auch in der Confeitaria Colombo trinken, der ist nicht schlecht. Den besten Kaffee der Stadt gibt es jedoch in der Charutaria Syria*, dem ältesten Café und Zigarrenladen inmitten des Saara Marktes, dem größten Open-Air Markt in Rio. Hier auf dem Markt spürst Du neben den afrikanischen und portugiesischen Einflüssen dann auch die Einflüsse der syrischen, jüdischen und chinesischen Migranten. Neben syrischen Kaffeehäusern, jüdischen Goldläden und viel chinesischem Plastikkitsch findest du auch brasilianische Modeboutiquen und Spezialitätenläden. Hier bekommst Du das typisch brasilianische Dendê-Öl (Palmöl), Bacalhau (Stockfisch), Gewürze und eine riesige Auswahl an Nüssen. Besonders Cashew- und Paranüsse sind hier sehr günstig zu bekommen.

Dazwischen findest Du außerdem Strassenverkäufer, die kleine Pastéis gefüllt mit Hackfleisch, Palmherzen, oder Käse und frischen Zuckerrohrsaft verkaufen.

Die Gegend um den Saara Markt

Die Gegend um den Saara Markt

Cachaça, Bolinhos des Bacalhau und Streetart

Weiter ging es im Hafenviertel der Stadt. Einen Besuch einer der sogenannten botequims, den liebenswerten, alten kleinen Bars, in welchen die Locals Mittags essen, solltest Du hier auf keinen Fall auslassen.

In der Bar e Galeria Imaculada* gibt es neben einigen ausgewählten Kunstwerken an der Wand vor allem eine große Auswahl an Cachaça: pur als Shot, im Nationalgetränk Caipirinha oder als Detox Cachaça.

Dazu isst man Bolinhos de Bacalhau, kleine frittierte Kugeln aus püriertem Stockfisch und Kartoffeln.

Bar e Galeria Imaculada

Bar e Galeria Imaculada

Bolinhos de Bacalhau

Bolinhos de Bacalhau

Etwas angeheitert ging es über die gepflasterten Strassen weiter bergauf, bergab durch das Hafenviertel nach Saudé. Der andauernde Nieselregen, der mich eher an englisches Wetter erinnerte und mich fast 7 Tage durch Rio begleitete, tat dem ganzen keinen Abbruch. Dies lag auch an unserem äußerst charmanten Guide Raffaele und seinen vielen spannenden Geschichten.

Am Pedro do Sal angelangt erfuhren wir von ihm, was es mit diesem Platz auf sich hat. Das Mural an der Wand erzählt heute noch die Geschichte des einstigen größten Sklavenmarktes von Rio, aber auch von der Heimat des Sambas. Freitags und Montags treffen sich die Cariocas (wie die Einwohner von Rio genannt werden) nach der Arbeit hier um dem Samba zu frönen. Ein Schauspiel, dass Du Dir nicht entgehen lassen solltest, ob nur zuschauen und einen Caipirinha genießen oder auch einfach mittanzen.

Mural am Pedro do Sal

Mural am Pedro do Sal

Ein Besuch in der Favela Morro da Providência

Der krönende Abschluss unserer Tour war ein Besuch in der nahegelegen kleinen Favela Morro da Providência (Hügel der Vorsehung), der ersten Favela Rios. Fotos von hier gibt es nur wenige, da die Anwohner nicht fotografiert werden möchten und auch die Häuser tabu sind. Dies ist nicht in allen Favelas so, einige davon sind heutzutage komplett pazifiziert und ein Besuch ist absolut sicher. Einen Artikel über meinen Besuch der größten Favela Brasiliens, genannt Rocinha, findest Du hier.

Favela Morro da Providência

Favela Morro da Providência

Mural in der Favela Morro da Providência

Mural in der Favela Morro da Providência

Die Favela Morro da Providência erreichst Du mit einer Seilbahn und der Ausblick vom Hügel auf die Stadt ist einfach nur atemberaubend. Doch nicht nur den Ausblick konnten wir genießen. Die nette ältere Dame am Kiosk an der Gondelstation stellte uns auf der Terrasse auch direkt noch 2 Tische und Stühle auf und servierte uns ein einfaches und sehr leckeres typisch brasilianisches Mittagessen. Ich weiß das Foto sieht jetzt nicht besonders hübsch aus, aber es hat tatsächlich sehr lecker geschmeckt. Und Reis, schwarze Bohnen und ein Fleischeintopf das ist wirklich typisch brasilianisch.

...typisch brasilianisch

…typisch brasilianisch

Kiosk in der Favela Morro da Providência

Kiosk in der Favela Morro da Providência

Leider war dieses Mittagessen dann auch das Ende des Foodwalks und wieder am Fuße der Favela angekommen war es Zeit Abschied zu nehmen von Raffaele und meinen neuen New Yorker Freunden. Mit dem Versprechen, dass wir uns irgendwann in Rom, Rio, New York, oder vielleicht in Deutschland wiedersehen, gingen wir wieder unsere eigenen Wege.

Mitgenommen habe ich viele neue Eindrücke, geschichtliches Wissen über Rio, neue Bekanntschaften, einen Eindruck der brasilianischen Kultur und die Küche der Cariocas.

Jedem, der ebenfalls daran interessiert ist die lokale Küche Rios kennenzulernen, kann ich solch einen Foodwalk wirklich nur empfehlen und die Touren von Culinary Backstreets sind zwar nicht günstig, aber wirklich ihren Preis wert.

Warst Du schon mal in Brasilien? Hats Du noch weitere kulinarische Tipps für mich? Ich freue mich auf Deinen Kommentar.

– Vielen Dank an Culinary Backstreets für die Einladung zu diesem Foodwalk. Und ein ganz besonderes Mille Grazie an Raffaele für diesen tollen Tag in Rio und die leckere Schokolade! Die Meinung über diesen Foodwalk ist wie immer meine eigene und wurde von der Einladung nicht beeinflusst. –


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