Die Herzlichkeit, Fröhlichkeit und Offenheit der Kubaner

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Kuba ist ein beeindruckendes Land. Seine Einzigartigkeit spiegelt sich in der wunderschönen, bunten und artenreichen Natur wieder. Aber auch in der Herzlichkeit, Fröhlichkeit und Offenheit der Kubaner. Sie beginnt jedoch in der prägenden und einflussreichen Geschichte des Landes. Denn diese und die verschiedenen Systeme des Landes sind für die hiesige Kultur und Mentalität verantwortlich. Und genau diese Mentalität ist es, die ich versuchen möchte Dir näher zubringen.

Kuba und seine Bewohner

Zu diesem Einblick gehört eine Klärung der Rahmenbedingungen, die auf dieser Insel gelten und durch die kubanische Regierung, welche nach den Grundzügen des Kommunismus handelt, festgelegt sind. Zumindest wird das System als solches deklariert. Die Kubaner wachsen demnach unter bestimmten Lebensbedingungen auf und müssen sich an besondere Strukturen halten.

In jedem Land, wie in Deutschland, Amerika, Japan und eben auch in Kuba, sind die Rahmenbedingungen einflussreiche Faktoren hinsichtlich subjektiver Ansichten, Meinungen und Lebensweisen. Um möglichst viele Eindrücke über das kubanische Leben zu gewinnen, habe ich mit den unterschiedlichsten Menschen geredet. Mit alten Bauern, jungen Studenten, mittelständigen Besitzern eines Casa particulares, Taxifahrern, Kellnern, Rentnern, Verkäufern, Putzfrauen, Selbstständigen usw. Gerne fasse ich das Gesagte und die Meinungen, die sich größtenteils überschneiden, zusammen und gebe meine Erfahrungen und Eindrücke wieder.

Natürlich ist eine vierwöchige Reise nicht ausreichend, um ein ganzes Land, mit einer so tief sitzenden und prägenden Geschichte und mit so unterschiedlichen Bewohnern, wie sie auf Kuba zu finden sind, kennenzulernen. Deshalb sind meine Impressionen nicht generalisierend zu betrachten. Ich möchte weder das Land, noch seine Bewohner auf einen Bruchteil reduzieren. Ich möchte Dir hingegen Kuba und seine Bewohner zumindest ein Stück näher bringen und dich auf eine Reise in dieses idyllische Land vorbereiten.

Kubaner und ihr buntes, einzigartiges Land

Zusammenhalt, Vertrauen und Gemeinschaft der Kubaner

„Es muy tranquilo. No pasa nada.“ (Ana, 47, Mutter und Besitzerin eines casa particular).

Kinder spielen auf der Straße. Sicherheitsschlösser für Fahrräder gibt es nicht. Die Haustüren stehen immer offen und wenn der Nachbar keine Eier hat, dann geht er ins Nachbarhaus und holt sich welche. Denn hier nehmen Zusammenhalt, Vertrauen und Gemeinschaft eine wichtige Rolle ein, wie auch Ana bestätigt: „Todos estamos muy cerca.“

Das wirst auch Du spüren, sehen und hören. Egal ob Fremder, Junge oder ältere Frau – alle werden mit einem Küsschen auf die Wange begrüßt und verabschiedet. Jederzeit wird sich gegenseitig ausgeholfen – sei es bei Geld, Essen oder Reparaturen. Der Familienzusammenhalt ist riesig und Angehörige sowie Freunde sind immer willkommen. Und das ist in vielen Orten Kubas der Fall. In einem kleinen Dörfchen irgendwo im nirgendwo ebenso wie in der Hauptstadt. Doch auch gegenüber Ausländern habe ich Kubaner diese Sympathien und Hilfsbereitschaft empfinden sehen. Zumindest bei denjenigen, die ihre Sprache beherrschen. Oder es zumindest versuchen.

Kuba ist sicher

„Cuba es muy seguro. No hay armas, ni drogas.“ (Andres, 42, Fischer).

Das stimmt. Kuba ist sehr sicher. Mag es an den Überwachungsmethoden der Regierung liegen (Mithören von Telefongesprächen, Überwachungskameras an öffentlichen Plätzen) oder an den strengen Regelungen an Flughäfen, Häfen etc. Bestimmt hat auch die kubanische Mentalität und vor allem die Tranquilidad (Ruhe) etwas damit zu tun. Was für Gründe es auch sein möge – ich habe mich in keinem Augenblick unsicher gefühlt.

Kubaner und ihr buntes, einzigartiges Land

„Cuba es bonito, pero no es justo.“ (Louis).

Louis ist 24 und arbeitet in einem touristischen Restaurant in Santiago de Cuba. Somit verdient er mehr als die Mehrheit seiner Altersgenossen. Deren, sowie das generelle monatliche Einkommen liegt nämlich meist bei ca. 10-30 CUC (10-30 Euro). Die Flucht in illegale Tätigkeiten, wie Raub von Lebensmitteln und der Weiterverkauf an Dritte, ist somit für viele ein Weg sich etwas Geld dazuzuverdienen.

Selbst durch den amerikanischen Einfluss wird sich, seiner Meinung nach, das monatliche Einkommen nicht erhöhen. In seinen Augen möchte der Staat die Bürger klein halten. Dessen mangelnde Unterstützung spiegelt sich nicht nur durch die hohen Steuern, die für jeden Bürger gleich angesetzt sind, wieder. Kranke und alte Menschen erhalten nur sehr wenig Geld und können ohne der Unterstützung ihrer Familie nicht überleben.

Dass der Staat die Kontrolle über seine Bürger behalten möchte, macht sich auch durch das Mithören von Telefongesprächen deutlich. Weiterhin dürfen Kubaner nicht einfach so ihre Familie in einem anderen Estado besuchen, da sie um permisión (Erlaubung) bitten müssen. Die Reise in ein anderes Land ist mit noch mehr Aufwand und vor allem sehr hohen Kosten verbunden. Neben einem Reisepass der 100 CUC (für 2 Jahre) kostet, benötigen Kubaner eine invitación (Einladung), um ausreisen zu dürfen. Diese Ausreise geht außerdem mit gewissen Bestimmungen einher. Halten sie sich nicht daran, erwarten sie harte Konsequenzen. Nach Louis wird so ein Reisender, der einen längeren, als im Visa vorgegebenen Zeitraum im Ausland verbringt, seiner Habseligkeiten entmündigt. Louis ist kein Patriot und will, sobald er das nötige Geld zusammen hat, das Land verlassen. Auf die Frage wohin es ihn zieht entgegnet er nach Australien zu seiner Tante. Und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu „o me voy a Alemania, donde viven chiquas hermosas.“

Von Fussball und Kühen in Kuba

„Los niños hacen mucho deporte. Siempre quieren jugar fútbol.“ ( Felix, 24, Sportlehrer).

Felix erzählt mir nicht nur, dass viele Kubaner die deutsche Bundesliga verfolgen, sondern auch, dass das Sportangebot für Schulkinder vielfältig ist. Gleichzeitig ist die Teilnahme obligatorisch, sodass die Schulkinder (zumindest in Viñales) täglich drei Stunden den Sport ihrer Wahl ausüben können.

Kubaner und ihr buntes, einzigartiges Land

„Mejor no mate una vaca.“ (Roberto, 26, Student).

30-40 Jahre Haft blühen dir, wenn Du eine Kuh umbringst. Denn der Großteil des Viehs gehört der Regierung. Somit organisiert sie das Töten des Tieres. Im Vergleich dazu: Bei Mord wanderst Du 10-15 Jahre ins Gefängnis. Das aber auch nur, wenn Du nicht vergessen wirst oder sie den Schlüssel zu Deiner Zelle verlieren „Ojala no pierdan las llaves!“ (Luis, 42, Masseur).

Das Bildungs-, Gesundheits-, und Sozialleistungssystem in Kuba

„Hay cosas malas y buenas. La salud y la educación son buenas.“ (Piedro y Rafaela, 52 und 48, Besitzer eines casa particulares).

Diese Meinung teilt das Paar mit sehr vielen Kubanern. Damit bestätigt es den Punkt, dass Kuba eines der fortschrittlichsten Bildungs-, Gesundheits-, und Sozialleistungssysteme Lateinamerikas besitzt. Bildung und gesundheitliche Versorgung sind nämlich gratis, wodurch nicht nur eine gute Bildung der nächsten Generation, sondern ebenso die Aussicht auf eine Genesung der Kranken besteht.

Gleichzeitig bietet das Sozialsystems unter Anderem Mutterschutz und Lohnfortzahlungen bei Unfällen. Während für die Kinder eine Schulpflicht besteht, haben junge Erwachsene die Möglichkeit zu studieren. Doch selbst mit einem abgeschlossenen Studium ist es schwer auf Kuba gutes Geld zu verdienen. Viele junge Erwachsene oder Studenten wollen deshalb, zumindest für eine gewisse Zeit, im Ausland (vor allem in Deutschland) arbeiten, um sich ihre Existenz und Zukunft zu sichern. Kubanische Ärzte verdienen zum Beispiel weniger als Jene, die im Tourismus tätig sind. So habe ich eine Ärztin kennengelernt, die ihren Job hinwarf, um im Tourismusbereich zu arbeiten. Damit verdient sie bedeutend mehr Geld, was daran liegt, dass im Gesundheitssystem mit CUP und in der Tourismusbranche mit CUC bezahlt wird.

Kubaner und ihr buntes, einzigartiges Land

Die (nicht vorhandene) Esskultur der Kubaner

„Muchas personas tienen diabetes, porque no hay una variedad de la alimentación.“ (Ronald, 24, Medizinstudent).

Dass das Essen keine Varietät bietet, dem kann ich voll und ganz zustimmen. Nach Kolumbien einem Land voller leckerer Früchte, finde ich mich selbst zwischen lokalen Sandwiches und Pizza (5-25 CUP) wieder. Die Betonung liegt auf lokal, denn dieses Essen hat in keinster Weise mit meiner (westlichen) Vorstellung dieser Nahrungsmittel zu tun. Doch diese interessiert hier niemanden und ist auch egal. Wer kann sich bei diesen Preisen schon beschweren? Bei dem Verzehr dieser Lebensmittel geht es den Kubanern auch in erster Linie darum, möglichst schnell und superbillig zu essen bzw. satt zu werden. Auch gestehen sich viele Bewohner selbst ein, dass sie keine Esskultur haben.

Neben dieser unglaublich günstigen Art der Ernährung, kannst Du natürlich auch andere Lebensmittel zu Dir nehmen. In Restaurants und paladares werden meist die typischen „platos“ angeboten, welche 3-8 CUC kosten und aus Reis, ein bisschen Salat und Shrimps / Fisch / Hühnchen / Rind bestehen. Sie sind mal mehr, mal weniger gut. Veganer, Vegetarier und Menschen mit einer Glutensensibilität etc. haben ein sehr schweres Leben auf Kuba.

Kubaner und ihr buntes, einzigartiges Land

Die Solidarität und Hilfsbereitschaft der Kubaner

„Somos solidarios!“ (Miguel, 33, Beitzer casa particulares).

Ja, die Kubaner halten zusammen und helfen sich gegenseitig. Mag es daran liegen, dass sich alle irgendwie kennen. Oder daran, dass jeder schon einmal in einer misslichen Lage war und ihm geholfen wurde. Zu diesem Zusammenhalt werden Kubaner auch indirekt, durch die überall sichtbaren Propagandasprüche, aufgefordert.

Die Solidarität und Hilfsbereitschaft zieht sich meiner Meinung nach sehr weit, sodass bestimmt auch Du sie erfahren wirst. In die eine Richtung, sodass Dir in einer Notlage geholfen wird und in die Andere. Jene Richtung, in der Dich die Besitzer eines casa particulares an einen befreundeten Taxifahrer vermitteln. Der Taxifahrer gibt Dir wiederum die Nummer seines Schwagers, der Aktivitäten in die Umgebung anbietet oder an seinen Onkel, der ein Restaurant führt. Und so weiter.

Natürlich freue ich mich sehr über Tipps und nehme sie auch gerne an. Deshalb rate ich Dir auch immer zuerst anzuhören, was Dir die Kubaner vorschlagen möchten.

Wenn ich jedoch für ein Zimmer, ein Essen, eine Tour, eine Fahrt etc. draufzahlen muss, nur weil eine Person einen Anruf tätigt (à la Schlepper) , sehe ich das Ganze kritisch. Vor allem, wenn das Ganze hinter meinem Rücken geschieht. Denn hierbei geht es nicht mehr um Hilfsbereitschaft, sondern darum, durch Provision (comisión) Geld zu verdienen. Mein Tipp für Dich ist daher Preise bei verschiedenen Anbietern zu vergleichen und Dich mit anderen Reisenden auszutauschen. In jedem Fall solltest Du Preise (Unterkunft, Taxifahrt, Tour) immer verhandeln.

Kubaner und ihr buntes, einzigartiges Land

Freiheit und Wandel

„Ahora tenemos más libertad.“ (José, 53, Guide und Verkäufer).

Kaum vorstellbar – doch bis vor 5 Jahren war es hier, nach José, noch unmöglich sein Eigentum (Haus, Auto, Vieh etc.) zu verkaufen. Heute ist dies zwar möglich, jedoch muss der Kubaner einen gewissen Prozentsatz des erhaltenden Geldes an die Regierung abgeben. Auch dürfen die Kubaner nur 4 Tiere auf dem Grund der Regierung halten. Wenn Du also mehr Vieh, aber kein eigenes Grundstück besitzt, entmündigt Dich die Regierung Deiner Tiere. Im Gegenzug erhältst Du zwar Geld, jedoch ist der Betrag nicht verhandelbar und meist extrem niedrig.

„No va a cambiar mucho“ (Gloria, 30, Mutter und Verkäuferin).

Dieser Meinung sind viele Kubaner, wenn ich das Theme des cambios (Wandels) anspreche. In ihren Augen wird weder ein steigender Tourismus, noch der Einfluss der gringos (Amerikaner) einen Umschwung auslösen. Zumindest was die Mentalität und die Kultur ihres Landes anbelangt. Natürlich wird sich der Tourismus vor allem auf die Bereiche Wirtschaft und Natur auswirken, dass ist ihnen auch bewusst. Doch hier in dem Land der Sonne und des Optimismus, wird immer das Beste gehofft. „Todo va a ser bien“ (Maria, 34, Mutter und Reiningungskraft).

Kubaner und ihr buntes, einzigartiges Land

Das sind nur Ausschnitte meiner Gespräche. Ich könnte ewig weitererzählen und die Meinungen und Aussagen meiner Bekanntschaften und Freunde wiedergeben. Doch am Besten machst Du dir selbst ein Bild. Denn eins ist sicher: Kuba hat in den letzten 10 Jahren einen gewaltigen Wandel durchgemacht. Von herabstürzenden Mauerstücken in Habana Viejo zu verfügbarem Internet an vielen Plätzen Kubas. Von Wildnis und Natürlichkeit zu Tourismus und ökonomischen Aufschwung. Und das sind nur Segmente, der sichtbaren Folgen, die die stetig stattfindende Veränderung nach sich zieht. Denn Tourismus kann eben auch, entgegen der Vorstellung vieler Kubaner, einen Umschwung des Bewusstseins und der Mentalität (wenn auch unbewusst) auslösen.

Doch lerne die Kubaner am Besten selbst, mit all ihren Charakterzügen und auf diesem wunderschönen Fleckchen Erde lebend, kennen und mach Dir Dein eigenes Bild. Dafür empfehle ich Dir wärmstens spanisch zu sprechen.

Kubaner und ihr buntes, einzigartiges Land

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