Schöne Orte und echte Geheimtipps für Prizren

Der Kosovo ist als Reiseland wohl den wenigsten ein Begriff. Nur selten verirren sich Touristen in das kleine Land auf dem Balkan – vielleicht auch gut so, denn dann bleibt dieses schöne Land noch eine Weile ein echter Geheimtipp. Wer es aber doch in den Kosovo schafft, sollte sich unbedingt das zauberhafte Prizren anschauen. Wir haben Prizren während unseres Balkan-Roadtrips auf dem Weg nach Albanien besucht und haben uns von der charmanten osmanischen Altstadt, leckerem Essen und der ehrlichen Gastfreundschaft der Menschen verzaubern lassen.

Im folgenden Artikel verrate ich Dir all meine Tipps für die schönsten Sehenswürdigkeiten, gute Restaurants und schöne Unterkünfte in Prizren.

Allgemeine Infos über Prizren

Prizren liegt am Fuße des Gebirgszuges Sar Planina am Fluss Bistrica im südlichen Kosovo nur unweit der Grenze zu Albanien. Noch heute ist die Stadt ziemlich multikulturell. Doch nicht immer lebten Ethnien und Religionen in Prizren friedlich zusammen. Einst war Prizren Teil des byzantinischen Einflussgebiets, dann des Serbischen Reiches und ab 1455 Teil des Osmanischen Reiches. Nach dem Ersten Balkankrieg fiel das Land an das Königreich Serbien und später an das Königreich Jugoslawien. Diverse Konflikte, zuletzt der Kosovokrieg, lösten mehrere Flüchtlingswellen aus.

Prizren ist vielen Deutschen ein Begriff, da die Stadt während des Kosovokriegs traurige Berühmtheit erlangte. 19 Jahre lang befand sich dort ein Feldlager, das im Rahmen der KFOR-Mission von der deutschen Bundeswehr betrieben wurde und die Soldaten bemühten sich darum, die serbische Minderheit vor Übergriffen der albanischen Mehrheit zu schützen. Heute bilden Albaner mit 79 % der Stadtbevölkerung die größte ethnische Gruppe in Prizren. Gefolgt von Türken, Bosniaken und Roma. Rund 97 % der Serben haben Prizren nach dem Kosovokrieg und den pogromartigen Ausschreitungen im Jahre 2004 verlassen. Heute gibt es nicht einmal mehr 50 serbische Einwohner in der Stadt. Sie stellen mit einem Anteil von nur 0,06 Prozent die kleinste ethnische Gemeinde in Prizren da. Doch noch immer spielt Prizren für die Serben in religiöser Hinsicht eine wichtige historische Rolle.

Die wenigstens wissen, dass Prizren aber nicht nur eine geschichtsträchtige Stadt, sondern auch eine der schönsten Städte im Kosovo ist. Die Kulturhauptstadt des Kosovo ist mit rund 95.000 Einwohnern nach Pristina die zweitgrößte Stadt des Landes. Eine Großstadt in unserem Sinne sollte man nun aber nicht erwarten, Prizren hat ganz viel unwiderstehliches Kleinstadtflair zu bieten – besonders in der Altstadt. 

Die besten Sehenswürdigkeiten in Prizren

In Prizren kann man es langsam angehen, am Fluss Bistrica entlang spazieren und dann über die alte Brücke in die malerische Altstadt. Die kosovarische Stadt protzt nicht mit Sehenswürdigkeiten, hier überwiegt einfach das Schöne: die Sinan-Pascha-Moschee, die sich majestätisch inmitten der Altstadt erhebt und alles überragt, die einladenden kleinen Restaurants und Cafés am zentralen Marktplatz Shadervan, aus denen es herrlich riecht, aber auch eine Reihe von Bauwerken, die wirklich einen Besuch lohnen.

Die serbisch-orthodoxe Kathedrale von Prizren

Die serbisch-orthodoxe Kathedrale von Prizren heißt Bogorodica Ljeviska, was übersetzt Kirche der Gottesmutter von Ljevis bedeutet. Das Gotteshaus mit seinen fünf Kuppeln und den griechischen Fresken wurde bereits im frühen 14. Jahrhundert auf den Fundamenten einer byzantinischen Basilika erbaut und ist damit die älteste Fünfkuppelkirche im ganzen serbisch-orthodoxen Raum. 

Während der osmanischen Herrschaft wurde die Kirche allerdings in eine Moschee umgewandelt. Erst in den 1950er-Jahren wurden die alten, aber stark beschädigten Freskomalereien aus dem 14. Jahrhundert wiederentdeckt und sind heute einer der Gründe, warum die Kirche seit 2006 zum UNESCO-Welterbe zählt.

Aufgrund der rechtlich unklaren Situation des Kosovo und der schwierigen Sicherheitslage wurde die Stadtkathedrale auch auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt. Albanische Extremisten hatten die Kirche während der Pogrome im März 2004 stark beschädigt, in dem sie versuchten, sie anzuzünden. Ein Teil der Fresken wurde damals durch Hitze und Feuer zerstört und die Inneneinrichtung der Kirche demoliert.

Die Sinan-Pascha-Moschee

Weithin sichtbar ist die Sinan-Pascha-Moschee – das größte islamische Gotteshaus im Kosovo und Wahrzeichen von Prizren. Die Moschee wurde im 17. Jahrhundert in der osmanischen Ära  vom albanischen Pascha (hoher Amtsträger im Osmanischen Reich) Sofi Sinan direkt am Fluss Bistrica erbaut. 

Für die Mauern der Moschee wurden Steine aus der rund 5 Kilometer entfernten serbisch-orthodoxen Erzengelkirche genutzt, die 1455 von den Osmanen zerstört wurde. Die Wände und die Kuppel im Inneren der Moschee wurden allerdings erst im 19. Jahrhundert mit bunten floralen Mustern und Koranversen verziert.

Die viersäulige Vorhalle mit den drei Kuppeln wurde während des Ersten Weltkriegs zerstört. Nach dem Kosovokrieg wurde die Moschee zwischen 2007 und 2011 vollständig restauriert und erstrahlt heute wieder in alter Pracht.

Die katholische Kirche von Prizren

Die Kathedrale unserer lieben Frau von der immerwährenden Hilfe (Katedralja e Zonjes Ndihmetare) wurde 1870 unter osmanischer Herrschaft für die überwiegend albanischsprachige römisch-katholische Minderheit und die katholischen Ausländer in Prizren gebaut. 

Die Marienkathedrale wurde nach italienischem Vorbild erbaut. Benannt wurde sie nach dem römischen Gnadenbild Unserer lieben Frau von der immerwährenden Hilfe – eine weltbekannte Mariendarstellung, die den Hochaltar der Kirche Sant’Alfonso in Rom schmückt. 

Im Inneren befinden sich neben Fresken mit biblischen Themen auch Darstellungen der Heerführer Skanderbeg und Johann Hunyadi, die im 15. Jahrhundert bedeutende militärische Anführer des christlichen Widerstands gegen das Osmanische Reich in Südosteuropa waren.

Die Kalaja Festung

Links an der Moschee vorbei führt ein Weg hinauf zur Festung von Prizren ( « Kalaja » heißt auf Albanisch schlicht und ergreifend einfach nur Festung). Sie gilt als Keimzelle Prizrens. Der Hügel, auf welchem sie thront, war bereits in der Bronzezeit besiedelt. In der Spätantike wurde die Festung von Justinian wieder aufgebaut und später von den serbischen Herrschern kontrolliert. 

Nach 1450 wurde sie zu einem wichtigen strategischen Stützpunkt, wobei sie ihr heutiges Aussehen erst im 18. Jahrhundert erhielt. Die Festung besteht aus drei Teilen, der Oberstadt, der Unterstadt und der Südlichen Stadt. Bei archäologische Ausgrabungen wurden komplexe Befestigungsanlagen, Mauern, Türme und Korridore freigelegt und seit 2014 wird das Kulturdenkmal mithilfe der amerikanischen Botschaft restauriert.

Hoch oben auf der Festung prangt heute ein riesiger UCK-Schriftzug und viele einheimische Touristen kommen hierher, um Fotos mit eben diesem zu machen. Scharfschützen nutzten die exponierte Stellung der Festung während des Krieges, um die Stadt zu überwachen, heute genießt man von dort oben einen grandiosen Ausblick über die Prizren.

Die Osmanische Steinbogenbrücke

Ein weiteres bedeutendstes Denkmal ist die alte Osmanische Steinbrücke über den Fluss Bistrica. Wann diese Brücke genau erbaut wurde, ist nicht bekannt. Aufgrund des Baustils und der verwendeten Materialien wird aber angenommen, dass die Brücke aus dem späten 15. Jahrhundert stammt, wobei sie im Zuge einer Verbreiterung der Straße in den 1950er-Jahren erstmalig verändert wurde. Sie verbindet alle Stadtteile Prizrens und diente früher als sozialer Treffpunkt. Heute ist sie eines der beliebtesten Fotomotive der Stadt.

Im Jahre 1979 wurde die Brücke durch ein Hochwasser komplett zerstört, allerdings von den Einwohnern Prizrens auch kurz danach wieder originalgetreu aufgebaut, schließlich gilt sie als Wahrzeichen der Stadt.

Die Fuchsbrücke

Gleich neben der alten Osmanischen Steinbrücke wurde zur Entlastung eine Behelfsbrücke gebaut. Deutsche Truppen gaben der Fuchsbrücke ihren Namen – sie wurde nach dem Transportpanzer Fuchs benannt, der dort über viele Jahre am KFOR-Checkpoint zur Unterstützung geparkt war.

Traurige Berühmtheit erlangte die Fuchsbrücke am 13. Juni 1999, als auf der Brücke eine der wahrscheinlich bekanntesten Schießereien des Kosovokriegs stattfand. Serbische Zivilisten beschossen an diesem Tag den Checkpoint und kamen anschließend durch massives Gegenfeuer der deutschen Soldaten ums Leben.

Das Archäologische Museum der Region Prizren

Sehenswert ist auch das Archäologische Museum, das sich in einem ehemaligen türkischen Hamam aus dem Jahr 1498 befindet. Im Inneren wurde das Museum inzwischen komplett renoviert und es finden sich Exponate von der Antike bis ins 19. Jahrhundert aus Prizren, aber auch aus Suhareke, Rahovec und Dragash. 

Zum Gebäude gehört auch ein 20 Meter hoher Uhrturm mit barocken Elementen, der 1870 errichtet wurde. Vom Glockenturm genießt man einen traumhaften Blick über Prizren.

Adresse: Sahat Kulla, Saraçët, Prizren | Öffnungszeiten: täglich von 8.00 – 17.00 Uhr | Eintritt: kostenlos, aber eine Spende wird erbeten.

Das ehemalige UN Headquarter

Nur unweit der Fuchsbrücke befindet sich heute das Rathaus von Prizren. Einst war eben dieses das UN-Hauptquartier und das Hauptquartier des deutschen KFOR-Sektors. An der Fassade des Gebäudes erinnern heute vielsprachige Inschriften mit dem Wort « Danke » an den Einsatz der internationalen Blauhelm-Nationen für die Freiheit des Kosovo.

Spannende Touren und Aktivitäten in Prizren

Wenn Du noch mehr über Prizren erfahren und das malerische Städtchen von einer anderen Seite kennenlernen möchtest, empfehle ich Dir folgende Touren und Aktivitäten:

Die besten Restaurants & Cafés in Prizren

  • Konak Cafe: Modern eingerichtetes Restaurant mit traditionellem Flair, das sehr leckere türkische Spezialitäten serviert. Bei schönem Wetter sitzt man auf der Dachterrasse und genießt den grandiosen Ausblick auf die nahe gelegene Sinan-Pascha-Moschee.
  • Restaurant Familjar Qingji: familiäres Restaurant, das traditionelle albanische Spezialitäten serviert.
  • Missini Sweets: Hier gibts leckere Baklava und andere süße Köstlichkeiten sowie selbst gemachte Schokolade und ausgezeichneten Kaffee.

Übernachten in Prizren

Wir selbst haben nur einen Tagesausflug nach Prizren gemacht. Die Nacht davor haben wir auf dem Campingplatz Ura e Fshajt-Saint Bridge in Gjakova verbracht, danach waren wir bei Bekannten in Pristina zu Besuch.

Wenn Du in Prizren direkt übernachten möchtest, kann ich Dir aber folgende Unterkünfte empfehlen:

  • Das neugebaute und stylish eingerichtete Sapphire Hotel befindet sich inmitten der Altstadt von Prizren und punktet mit einem ausgezeichneten Frühstücksbuffet.
  • Familiär ist das modern eingerichtete Hotel Besfort unweit der Altstadt. Morgens wird ein traditionelles albanisches Frühstück serviert.
  • Modern eingerichtet und sauber sind auch die Zimmer im Makadam Hotel, das ebenfalls sehr zentral gelegen ist. Viele Zimmer haben einen Balkon oder sogar eine große Terrasse, von der man einen traumhaften Blick auf die Stadt genießt.

Anreise nach Prizren

Prizren selbst hat keinen Flughafen, so ist die Anreise nur mit dem Auto oder Bus möglich. 

Einen Flughafen gibt es in der Hauptstadt Pristina und dieser wird von Deutschland teils sogar direkt angeflogen. Von Pristina fahren mehrmals tägliche Busse in rund zwei Stunden nach Prizren. Die Fahrt kostet etwa 5 Euro. Weitere Busverbindungen gibt es auch von Montenegro und Albanien.

Wenn ihr mit dem eigenen Auto, Van oder Wohnmobil unterwegs seid, ist eine Ausreise nur über Bosnien und Herzegowina, Albanien und Montenegro möglich. An der serbischen Grenze werdet ihr abgewiesen, denn Serbien erkennt die Unabhängigkeit des Kosovo bis heute nicht an und betrachtet das Land als serbisches Staatsgebiet. Ein Grenzübertritt von Serbien nach Kosovo ist allerdings kein Problem.

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Warst Du schon mal in Prizren? Hast Du noch mehr Tipps für die schöne Stadt im Kosovo? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

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Nina | Reisehappen Food- und Reiseblog
Nina

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