Ein Gastbeitrag von Lynn von Lieschenradieschen reist

Lynn BendaIch bin Lynn, 20 Jahre alt und begeisterte Reisende. Mittlerweile feire ich schon Zweimonatiges mit meinem Blog www.lieschenradieschen-reist.com. Natürlich bin ich aber schon viel länger unterwegs. Meine Reiselust hat schon mit wenigen Monaten begonnen, als meine Eltern mit mir nach Frankreich gefahren sind. Anschließend habe ich begonnen Europa abzuklappern und irgendwann musste ich dann meine Kreise ausweiten und bin in Nordamerika und zu guter Letzt auch in Afrika gelandet. Dieser Kontinent hat es mir ganz besonders angetan und ich hoffe auf viele weitere Besuche.
Wilde Tiere, hochgewachsene und in rote Gewänder gehüllte Massai, endlose Landschaften und wunderschöne Sandstrände – dies sind Dinge, die man im Allgemeinen mit dem ostafrikanischen Land Kenia assoziiert.

Aber wusstet Ihr, dass man dort mindestens genauso gut Essen kann, wie auf Safari gehen? Nein? Ich bis zu meiner Reise dorthin auch nicht. Aber ich wurde eines besseren belehrt…

Kenia

Ziege und Krest

Eine angenehme warme Brise weht. Ich habe das erste Mal die stickige Stadt Nairobi verlassen und erfreue mich nun an dem Ausblick über den großen afrikanischen Graben. Meine Gastgeber und ich sind zu einem kleinen Bretterverschlag gefahren. Auf den ersten Blick sieht es nicht so aus, als würde es hier überhaupt irgendetwas geben, aber nachdem wir im Inneren sind, werde ich eines Besseren belehrt. Im schummrigen Dämmerlicht haben wir uns ein Stück frischer Ziege ausgesucht.

Während ich nun also auf der Terrasse sitze, schmort dieses über dem offenen Feuer. Währenddessen genieße ich die Sonne, erfreue mich an dem Blick und den singenden Vögeln und trinke Krest. Krest ist ein beliebtes und in Ostafrika weit verbreitetes Getränk. Es schmeckt übrigens nach Zimt und ist etwas scharf. Auf jeden Fall, eine spannende Mischung für ein Erfrischungsgetränk.

Nach geschlagenen 3 Stunden kommt dann das Stück Ziege. Aber das Warten hat sich gelohnt! Und wie! Man mag es kaum glauben, aber das war eines der besten Dinge, die ich je gegessen habe. Manchmal schlägt Schlichtheit doch jedes 4 Sterne Menü. Durch das langsame über dem Feuer Garen ist die Ziege wahnsinnig zart. Jeder hat sich mit den Händen bedient. Etwas Salz auf das Fleisch und ab in den Mund. Als Beilage gab es Kartoffelspalten und Ketchup. Gepaart mit der Aussicht, was will man mehr?

Ziegenfleisch

Diani Sea und der Feldwebel

Aber es wurde noch besser. In meiner zweiten Woche war ich an der Küste bei Diani Sea. Dort habe ich an einer Schnorcheltour teilgenommen, dessen Highlight ein Mittagessen auf einer kleinen Insel war. Nach all dem Fische gucken und Sonne genießen, war die Insel wie eine Oase für mich. Zwischen mächtigen Baobabs und vielen anderen grünen Pflanzen, habe ich dann unter einem offenen Runddach Platz genommen. Nach kurzer Zeit kam eine farbenfroh gekleidete Frau, die uns allerdings im allerfeinsten Feldwebelton das Essen angekündigt hat.

Feldwebel

Nachdem sie geendet hatte, wurden die Speisen herein getragen. Neben der mittlerweile bekannten Sättigungsbeilage Ugali, einer Art Maismehl, und anderen gängigen Beilagen, gab es auch exotischere Dinge: zum Beispiel karamellisierten Seetang und fangfrische Krabben. Die Krabben wurden direkt am Tisch geknackt und waren so wunderbar zart. Auch der Seetang war alles andere als gewöhnungsbedürftig. Der salzige Geschmack hat wunderbar mit der Süße des Zuckers harmoniert.

Nachdem der Hunger gestillt war, durfte man sich überall auf der Insel verteilen. Ich hatte mir ein schattiges Plätzchen, mit direktem Blick auf das kristallklare Wasser, gesucht. Während ich so vor mich hin döste, wurde mir Mango und Wassermelone zusammen mit frisch aufgebrühtem, kenianischen Tee gereicht.

Krabben

Es gibt eben nicht nur die „Supermarkt-Mango“

Sowieso sind die Mangos in Kenia einen kleinen Abstecher wert. Bevor ich dort war, dachte ich immer es gäbe nur eine Sorte Mangos. Eben die „Supermarkt-Mango“. Ich gebe zu, dass dies etwas engstirnig ist, aber ich habe mir da nie Gedanken drüber gemacht.

Um so mehr war ich überrascht, als ich neben süßen Mangos auch saure gekostet habe. In Kenia bekommt man unzählige Sorten und da diese direkt vor der Haustür wachsen, sind sie auch noch unglaublich günstig. Man sollte sich die unterschiedlichsten Obstsorten auf keinen Fall entgehen lassen. Mangos, Bananen und Litschis sind nur einige der tropischen Früchte. In der Zeit meines Aufenthaltes habe ich mich fast nur von Obst ernährt. Aber was soll man machen, wenn es eben so lecker ist?

Leider war es dann doch irgendwann Zeit, die paradiesische Insel zu verlassen. Wehmütig habe ich das Boot bestiegen und bin wieder Richtung Festland gefahren, mit dem Geschmack von Mangos auf den Lippen und ganz viel Wehmut im Herzen.

Back in Nairobi…

Zum Glück konnte wenigstens mein kulinarischer Herzschmerz gestillt werden. Zurück in Nairobi habe ich ein weiteres Essen mit meinen Gastgebern genossen.

Mitten im chaotischen Stadtverkehr bildet das äthiopische Restaurant Habesha einen wunderbaren Rückzugsort.

Zu jeder Bestellung gibt es eine Art Brot, das leicht säuerlich schmeckt und in etwa aussieht, wie ein aufgerollter Waschlappen. Davon reißt man sich ein Stück ab und wickelt die gereichten Speise darin ein. Diese Form der Nahrungsaufnahme ist sehr kommunikativ. Es wird ein riesiger Teller mit unzähligen Dips, Fleischgerichten und Gemüse gereicht. Von diesem bedienen sich alle gleichermaßen. Da man immer wieder das Brot abreißen und rollen muss, dauert das ganze natürlich auch etwas länger und man kann sich wunderbar unterhalten.

Dazu noch ein gekühltes Tusker, ein lokales Bier, und der Abend ist ein voller Erfolg.

Restaurant Habesha Nairobi

Restaurant Habesha Nairobi

Mit all diesen Erlebnissen ist mir Kenia, nicht nur mit seinen zuvorkommenden Menschen und dem unglaublichen Tier- und Pflanzenreichtum, in Erinnerung geblieben, sondern eben auch mit der vielfältigen Küche.

Von traditionellen Swahili Gerichten, über fantastische Fusionsküche und den Einschlägen der arabischen Welt. Für jeden Gaumen ist etwas dabei. Und so ertappe ich mich noch heute – drei Jahre später – dabei, wie ich mich zurück in Kenias Küchen wünsche. Den salzigen Wind der Küste in den Haaren und den herben Holzfeuergeruch in der Nase.

Warst Du schon mal in Kenia? Hast Du noch weitere Tipps, was man dort unbedingt probieren sollte?