Wüstentour in das Drâa-Tal – von Marrakesch nach Zagora

Millionen und Abermillionen Sterne leuchten am Himmelszelt. Nur der Schein des Feuers erhellt die Wüste und lässt die unendliche Weite erahnen. Hin und wieder fliegen die Funken und es knistert, wenn einer der Nomaden einen neuen Ast in das Feuer schmeisst. Neben mir die rhythmischen Klänge der Trommeln, einer der Nomaden tanzt wie ein Derwisch um das Feuer, begleitet vom Lachen und den Anfeuerungsrufen seiner Freunde.

Ich nehme einen Schluck des zuckersüßen Minztees, der mir gereicht wird, und genieße diesen Moment der Freiheit. Diese eine magische Nacht war Teil eines Ausflugs von Marrakesch nach Zagora, das Tor zur Wüste Marokkos. Und wenn es einen einzigen Ausflug gibt, den Du von Marrakesch aus auf jeden Fall machen solltest, dann ist es in meinen Augen diese Tour.

Die Tour nach Zagora kannst Du hier buchen >>

Zagora – eine Nacht in der Wüste Marokkos

Eine 2-tägige Wüstentour von Marrakesch bis Zagora

Die 2-tägige Tour begann mit der Abholung durch meinen supernetten Guide Walid und den Fahrer in meinem Riad in Marrakesch. Von hier aus ging es mit kurzen Stopps in den Berberdörfern am Fuße des Atlasgebirges in die Berge. Immer höher geht es, bis auf einmal Schnee am Straßenrand auftaucht. Und der Schnee wird immer höher. Hatte ich nicht eigentlich eine Tour in die Wüste gebucht?

Berberdörfer am Fuße des Atlasgebirges
Berberdörfer am Fuße des Atlasgebirges

Der Tizi n’Tichka Pass – Schnee in Marokko

Tatsächlich ist die kurvenreiche Strasse über den Tizi n’Tichka Pass (2260m) eine der wenigen, aber vor allem die kürzeste und schnellste Verbindung von Marrakesch und Casablanca nach Quarzazate und weiter Richtung Zagora und in die Sahara. Daher sind auch viele LKWs und Busse unterwegs. Staus sind hier durchaus keine Seltenheit und man sollte beim Fahren gut aufpassen. Die Marokkaner fahren teils wie die Verrücken und Straßenschilder sind eher Dekoelemente.

In der Berbersprache Tachelhit bedeutet tizi übrigens Bergweide und tichka gefährlich. Während die Berberstämme die Bergweiden im Sommer eben für ihre Tiere nutzen ist Schnee im Winter im Atlasgebirge aber tatsächlich nichts ungewöhnliches. Es gibt hier sogar Skigebiete.

Doch die Schneemengen die mich Mitte April im Atlasgebirge empfingen waren selbst für marokkanische Verhältnisse ungewöhnlich. Teils kniehoch stapfte ich mit den beiden anderen Tourteilnehmern aus New York am Tizi n’Tichka Pass durch den Schnee, es war bitterkalt und doch war dieser Ausblick einfach nur atemberaubend. Schnell noch ein Tässchen Tee am Gipfel, eimal die Auslagen an den Souvenirständen bewundern und schon ging es weiter.

Der Tizi n'Tichka Pass – Schnee in Marokko
Der Tizi n'Tichka Pass – Schnee in Marokko
Der Tizi n'Tichka Pass – Schnee in Marokko

Das UNESCO Welterbe von Aït-Ben-Haddou

Den ersten längeren Stopp auf unserem Trip in die Wüste machten wir dann in der befestigten Stadt (Ksar) Aït-Ben-Haddou am Fuß des Atlasgebirges. Direkt an der Hauptstrasse findest Du hier einige nette Restaurants die leckeres und günstiges Mittagessen anbieten. Wie üblich hast Du hier die Qual der Wahl zwischen Couscous und Tajine, wobei beides sehr lecker ist.

Danach machten wir uns auf um Aït Benhaddou zu erkunden, ein Dorf das 1987 zum UNESCO Welterbe ernannt worden ist. Aït Benhaddou gilt als eine der ganz wenigen noch halbwegs gut erhaltenen Lehmbausiedlungen in Südmarokko. Einst war das Dorf der Hauptort der Sippe der Ben Haddou, die im 11. Jahrhundert den Handel der alten Karawanenstrasse zwischen Timbuktu und Marrakesch kontrollierte. Heute leben nur noch sieben Berberfamilien des Ben-Haddou-Stammes hier in den aus Lehm gebauten Wohnburgen (tighremts). Der Rest der Bevölkerung bevorzugt es im modernen Dorf auf der anderen Uferseite des ausgetrockneten Asif Mellah zu leben. So gleicht das alte Dorf heute eher einem Freilichtmuseum.

Das UNESCO Welterbe von Aït-Ben-Haddou
Das UNESCO Welterbe von Aït-Ben-Haddou
Das UNESCO Welterbe von Aït-Ben-Haddou
Das UNESCO Welterbe von Aït-Ben-Haddou

Bekannt wurde das Dorf allerdings nicht dadurch, dass es zum UNESCO Welterbe ernannt wurde, sondern da es als Kulisse für viel bekannte Hollywoodstreifen diente. So wurden hier zum Beispiel Lawrence von Arabien, James Bond 007 – Der Hauch des Todes, Kundun, die Mumie, Prince of Persia, Game of Thrones oder auch Gladiator von Ridley Scott gedreht.

Tipp: einen traumhaften Blick auf das alte Dorf genießt man von der Festung (kasbah) auf der Bergkuppe des Ksar.

Das UNESCO Welterbe von Aït-Ben-Haddou
Das UNESCO Welterbe von Aït-Ben-Haddou
Das UNESCO Welterbe von Aït-Ben-Haddou
Das UNESCO Welterbe von Aït-Ben-Haddou

Zagora – das Tor zur Wüste

Am frühen Abend kamen wir dann endlich in Zagora, einer Oasenstadt in der Region Drâa-Tafilalet an. Die Stadt lasse ich an dieser Stelle einfach mal außen vor, denn sie bietet nur wenig Sehenswertes. Die zugewanderten und heute seßhaften Berber betreiben in der großen Dattelpalmenoase am Draa Landwirtschaft und Zagora dient heute wie damals als Markt- und Handelsplatz. Doch vor allem gilt Zagora als Tor zur Wüste und der Wüstentourismus spielt hier mittlerweile eine immer größer werdende Rolle.

Am Ortsrand erwartet uns bereits unser Guide Lahcen. Stolz steht der Berber da mit seinem Turban, seine Djellaba bewegt sich sanft im Wind und sein Grinsen wird immer breiter. Eine kurze aber herzliche Begrüßung und schon tauschen wir die bequemen Plätze in unserem 4×4 Jeep gegen die etwas weniger bequemen Sättel unserer Kamele. Nur wenige Minuten später geht es auf den Wüstenschiffen schaukelnd in die unendliche Weite der Wüste.

Immer weiter entfernen wir uns von der Zivilisation. Die Sonne steht bereits tiefer, die Schatten der Kamele werden immer länger und mit jedem Schritt meines Kamels fühle ich mich ein kleines Stückchen freier.

Zagora – das Tor zur Wüste
Zagora – das Tor zur Wüste

Glamping in der Wüste

Zwischendurch fragt der stolze Nomade ab und an ob alles OK ist. Ansonsten reiten wir schweigend in den Sonnenuntergang. Nach einer knappen Stunde biegen wir um eine sanfte Hügelkette und erblicken unser Camp für die Nacht. Ruhig liegt es da, die bunten Teppiche erstrahlen im goldene Sonnenlicht. Doch noch ist es nicht Zeit unser Zelt für die Nacht zu beziehen. Erst erklimmen wir den nahegelegenen Hügel um den majestätischen Sonnenuntergang über der Wüste nicht zu verpassen.

Zagora – das Tor zur Wüste
Zagora – das Tor zur Wüste
Zagora – das Tor zur Wüste

Zur blauen Stunde kommen wir dann in unserem Camp an, wo uns die Nomaden bereits mit frischem heißen Tee empfangen. Eine Wohltat, denn in dem Moment in dem die Sonne hinter dem Horizont verschwand wurde es kalt. Zumindest im Frühjahr sind die Nächte in der Wüste noch durchaus frisch, doch sind die Tage eben auch angenehm.

Lange sitzen wir so zusammen, lauschen den Anekdoten der Nomaden im letzten Tageslicht, lernen uns gegenseitig kennen, trinken Tee und knabbern Pistazien. Wobei wir an dem Abend nur ein winziges Grüppchen sind. Die meisten Zelte im Camp sind nicht belegt, was ich durchaus genieße.

Zu späterer Stunde inspizieren wir kurz unsere Zelte und das Bad. Es gibt tatsächlich ein Zelt mit echten Waschbecken, Toiletten und Duschen. Selbst mitten in der Wüste muss also niemand auf einen gewissen Komfort verzichten.

Glamping in der Wüste Marokkos

Doch noch ist es nicht Zeit zum Schlafen, im Essenszelt erwarten uns die Nomaden bereits mit einem köstlichen Essen. Harira, die traditionelle Suppe der Berber, gefolgt von einer leckeren Tajine und dem marokkanischen Klassiker Orangen mit Zimt als Nachtisch. Dazu plauschen wir mit unseren marokkanischen Tischgenossen, tauschen Anekdoten mit den libanesischen Gästen aus Boston aus und so geht es auch nach dem Essen weiter. Denn die Nomaden haben draussen bereits ein großes Lagerfeuer entzündet.

Unter den Sternen von Zagora

Wir hören die ersten Trommelklänge, einer der Nomaden beginnt zu singen. Nach und nach werden es immer mehr Nomaden. Irgendwo her kommen weitere Trommeln, eine Gitarre, der Gesang wird lauter, die Stimmung ausgelassener. Um mich herum existiert nichts anderes mehr als die aber und aber Millionen Sterne am Himmel, das rhythmische Trommeln und der Gesang der Nomaden. Die unbändige Lebensfreude der Nomaden überträgt sich auf den Rest der Gruppe. Einige tanzen um das Feuer und spätestens bei Waka Waka von Shakira hält keiner mehr die Füße still. This is Africa!

Unter den Sternen von Zagora

Langsam gehen die ersten zu Bett, doch irgendwie kann ich mich noch nicht losreißen. Lahcen mein Guide erzählt mir, das Leben als Nomade in der Wüste ist nicht immer leicht, doch er würde es für nichts auf dieser Welt eintauschen. Dieses Leben bedeutet für ihn die unendliche Freiheit. Ich weiß was er meint. Noch lange lausche ich in dieser Nacht seinen Geschichten, möchte nicht gehen, doch irgendwann fallen mir die Augen zu und ich bewege mich widerwillig in mein Zelt.

Die Nacht war kurz, denn ich wollte ja schließlich den Sonnenaufgang in der Wüste nicht verpassen. Um halb 7 Uhr war ich zusammen mit meinen Reisebegleitern bereits wieder auf dem Weg zu dem kleinen Hügel oberhalb unseres Lagers. Gar nicht so einfach im Sand bergauf, doch oben werden wir mit einem der schönsten Sonnenaufgänge aller Zeiten entschädigt. Einer von unzählig vielen magischen Momenten in nur 24 Stunden in der Wüste. Zurück im Camp genießen wir noch ein leckeres Frühstück, eine letzte Tasse süßen Minztee, und schon schwingen wir uns wieder zurück auf unsere Kamele und es geht langsam zurück in die Zivilisation – dennoch zu schnell für meinen Geschmack. Noch Tage danach bin ich überfordert mit all den Menschen und der Lautstärke in Marrakesch. Ich sehne mich nach Ruhe und Einsamkeit.

Sonnenaufgang über Zagora

Quarzazate – der Schauplatz der Filmindustrie

Doch von Zagora ging es erstmal durch das malerische Drâa-Tal, vorbei an den Dattelpalmenhainen, welche durch den Drâa bewässert werden, bevor der Fluss in er Sahara versickert. Unser nächstes Ziel Quarzazate.

Einst war Quarzazate nur eine unbedeutende Berbersiedlung, später kamen Handel, Handwerk und Dienstleistung dazu. Ab 1928 war Quarzazate dann Garnisonsstadt der französischen Fremdenlegion. Später wurde die Stadt ein wichtiger Schauplatz der Filmindustrie und der Tourismus in Quarzazate nahm zu.

Die Atlas Corporation Studios

Einige der Filmstudios können heute besichtigt werden, zumindest wenn nicht gerade dort gedreht wird. Am interessantesten sind sicher die Atlas Film Studios, die 1983 vom Hotelier Mohamed Belghmi gegründet wurden und damals die ersten dauerhaften Filmstudios in Marokko waren. Hier wurden bekannte Filme und Serien wie etwa Game of Thrones, Gladiator, der Medicus, Kundun, das Jesus Video, Babel, die Päpstin, oder Asterix & Obelix: Mission Kleopatra gedreht.

So kann man heute in den Filmstudios zum Beispiel das tibetische Mönchskloster aus Kundun besichtigen, oder den ägyptischen Tempel aus Asterix & Obelix. Auf dem weitläufigen Gelände finden sich aber nicht nur die Filmsets, sondern auch moderne Filmtechnik und Tonstudios. Daher bezeichnet man Quarzazate auch als Hollywood Marokkos oder „Mollywood“.

Die Atlas Corporation Studios
Die Atlas Corporation Studios
Die Atlas Corporation Studios
Die Atlas Corporation Studios

Die Kasbah Taourirt

Abgesehen von den Filmstudios ist vor allem die Kasbah Taourirt in Quarzazate sehenswert. Sie gilt als eine der größten und schönsten Festungen des Landes und wird auch heute noch von Angehörigen des Haouza-Stammes bewohnt. Der Palast des El Haouzi, des Stammesfürsten, ist heute öffentlich zugänglich. Er wurde im Zuge eines Programmes der UNESCO komplett restauriert. Von vielen Stellen der Kasbah mit ihren ockerfarbenen Stampflehmmauern, den unzähligen Riads und den Zinnentürmchen genießt man einen herrlichen Ausblick auf die Sahara. Wer den Film der Himmel über der Wüste nach dem Roman von Paul Bowles gesehen hat, der wird sich hier genau wie John Malkovich fühlen, denn der Film wurde hier gedreht.

Viel zu Kurz war die Zeit in der Wüste und eigentlich ist Zagora ja auch „nur“ das Tor zur Wüste. Doch gibt die 2-tägige Wüstentour einen tollen Einblick in das Leben der Nomaden und das authentische Leben in Marokko. Ein einmaliges Erlebnis, das Du nicht verpassen solltest, ist die Wüstentour auf jeden Fall.

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Für mich war die Tour jedenfalls ein absolut unvergessliches Erlebnis, eine Art von Freiheit die ich bis dahin nicht kannte. Die Sahara hat ihre ganze Magie in nur einer Nacht für mich entfaltet und hat mich in ihren Bann gezogen. Dass ich Marokko mögen würde war mir vor meiner Reise in dieses Land klar, dass ich mich Hals über Kopf in dieses Land verlieben würde dagegen nicht. Im Traum hätte ich nicht daran gedacht, dass ausgerechnet die Wüste mich dermaßen faszinieren würde. Doch so ist es und die nächste Reise nach Marokko ist bereits in Planung – es geht natürlich wieder in die Wüste. Das nächste Mal allerdings nicht nur für zwei Tage. Ich möchte die unheimliche Weite der Sahara kennenlernen und mit den Nomaden zu Fuß durch die Wüste ziehen, unter freiem Himmel schlafen und einfach frei sein.

Hast Du schon mal in der Wüste übernachtet, oder ist das vielleicht auch noch ein großer Traum von Dir? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

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Nina | Reisehappen Food- und Reiseblog
Nina

Hi! Ich bin Nina von Reisehappen! Bloggerin, Grafikerin & Illustratorin, Foodie und leidenschaftliche Köchin, Käseliebhaberin, Reisejunkie, Workaholic, Yoga addicted, 6 Kontinente – 70 Länder und noch immer vom Fernweh geplagt.