Ein Gastbeitrag über Ghana von Wibke von Sonnenstrahlenmomente

Wibke ist ein fernwehsüchtiges Mädchen, das ihr Herz irgendwo in Ghana verloren hat. Auf Ihrem Blog Sonnenstrahlenmomente teilt Sie die Faszination für den afrikanischen Kontinent und Ghana, für das Reisen und die vielen verschiedenen Sonnenstrahlenmomente im Leben.

Wibke

Wibke

Auf Reisen gehört für mich viel mehr dazu, als einfach nur berühmte Sehenswürdigkeiten abzuklappern und von einem Ort zum nächsten zu hetzen. Ich lasse mir lieber Zeit, schaue mir alles genau an und verzichte auch gerne einmal auf Bekanntes, um mal wieder ein richtiges Gaumenerlebnis zu haben. Denn das Entdecken und Probieren verschiedenster landestypischer Speisen gehört für mich zum Reisen einfach dazu. Accra, die ghanaische Hauptstadt, ist deshalb definitiv ein Food-Paradies für mich.

Seien wir doch mal ehrlich: man kann zwar auch ein bisschen in eine Kultur eintauchen, wenn man das lokale Essen nicht probiert, aber erst, wenn man die verschiedensten Gerichte des Landes auch wirklich gekostet hat, bekommt man viel von der Kultur mit, denn das Essen und auch die Essgewohnheiten der Menschen weisen oft auf eine lange Historie und Tradition hin, die man sonst gar nicht mitbekommen würde.

Markt in Ghana

Markt in Ghana

Ghanas Küche

Die ghanaische Küche ist geprägt von vielen unterschiedlichen Einflüssen und viele der Zutaten, die heute zum Kochen verwendet werden, wurden erst während der Kolonialzeit in Ghana bekannt. Dazu gehören zum Beispiel Tomatenmark oder die in Ghana sehr beliebten Maggie-Aufbrühwürfel, die in etlichen Gerichten Verwendung finden.

Ghanas traditionelle Küche unterscheidet sich gänzlich von der europäischen. Zwar gibt es gerade in Accra, aber auch in den anderen größeren Städten wie Kumasi oder Cape Coast, Restaurants mit asiatischer, europäischer und auch amerikanischer Küche, was aber vorherrscht sind die unzähligen Chop-Bars, die das Food-Herz eines Reisenden höher schlagen lassen. Zwar steht in vielen Reiseführern geschrieben, dass man die Straßenstände meiden sollte, aber ich finde es gibt fast nichts besseres, als sich eben mal Yam mit Hühnchen und Pepper oder Jollof Rice an der Straße zu kaufen.

Da viele Familien in Ghana oft nur einmal am Tag eine richtige Mahlzeit zu sich nehmen ist der Hauptbestandteil der Gerichte eine sättigende Basis wie Reis, Yam oder Kochbananen. Reis gibt es überall im Land in den unterschiedlichsten Ausführungen und oft ist es auch so, dass es Reis in den Schulen und Kindergärten gibt, die ein Schulspeisungsprogramm anbieten, da es ihn in Ghana vergleichsweise billig zu kaufen gibt und so alle satt werden. Gemüse und Salat findet vergleichsweise selten Verwendung und wenn dann in den ländlicheren Gebieten, da die Menschen dort das Gemüse in ihren eigenen Gärten und auf ihren Feldern für den Eigenbedarf anbauen.

Die ghanaische Küche unterscheidet sich aber nicht nur von der europäischen, sondern sie unterscheidet sich auch darin, was das Kochverhalten der ländlichen Bevölkerung und das in den Städten betrifft. Ist die traditionelle Küche auf dem Land eher geprägt durch das, was das eigene Feld her gibt und den Fischfang, wenn das Dorf am Meer, an einem See oder an einem Fluss liegt, ist das Bild in den Städten anders geprägt, da man hier leichter Zugang zu sämtlichen Lebensmitteln hat und auch Fleisch keine Seltenheit ist.

Eine weitere Unterscheidung, die einem in Ghana direkt auffällt, ist die Esskultur der verschiedenen Ethnien, die im Land leben. So essen die Ga lieber Maisgerichte, die Aka aber eher Fufu, die einen essen Kenkey in Bananenblätter eingewickelt und die anderen ziehen es vor, wenn der aus fermentiertem Mais hergestellte Kloß in Maisblättern eingewickelt ist.

Kochen ist in Ghana viel Arbeit, es ist sehr zeitintensiv und wird daher mit der ganzen Familie zelebriert. Gekocht wird im Freien auf einem kleinen Kohleofen. So dauert es zwar länger, bis das Essen fertig ist, dafür genießen die Menschen die Zeit sehr, da sie mit der Familie um die Kochstelle sitzen, sich Geschichten erzählen und jeder seinen Teil dazu beiträgt, dass am Ende ein leckeres Mahl auf die Teller kommt.

Gegessen wird traditionell mit den Händen. Das liegt nicht daran, dass es kein Besteck gäbe, denn Suppen oder Soßen werden mit einem Löffel gegessen und wenn man nach Besteck fragt bekommt man auch welches. Vielmehr ist es einfach eine alte Tradition. Zu beachten gibt es eigentlich nur, dass zum Essen die rechte Hand benutzt wird, da die linke als unrein gilt. Anfangs mag es ungewohnt erscheinen, fast alles mit der Hand zu essen, hat man sich aber erst einmal daran gewöhnt wird es immer einfacher. Um aber nicht mit schmutzigen Fingern essen zu müssen bekommt man, egal ob im Restaurant oder zu Hause, immer eine Schüssel mit Wasser, Spülmittel und ein kleines Handtuch auf den Tisch gestellt, damit man sich vor dem Essen die rechte Hand waschen kann und man danach die Hände ebenfalls waschen und abtrocknen kann.

Das ghanaische Nationalgericht: Fufu

In der schwarzafrikanischen Küche bezeichnet Fufu einen festen Brei aus Cassava oder Yam und noch grünen Kochbananen. Manche Ghanaer schwören darauf, Cassava und Yam miteinander zu vermischen, aber in meiner ghanaischen Familie schwören wir darauf, nur Cassava zu verwenden.

Fragt man die Menschen, woher Fufu ursprünglich kommt, wird man angeschaut als lebte man auf dem Mond. „Aus Ghana natürlich“, wird die Antwort auf diese Frage lauten. Bekommt das Gespräch aber zufällig ein Nigerianer mit, schaltet er sich direkt in die Diskussion ein und wird sagen, dass Fufu definitiv aus Nigeria kommt. Darüber lässt sich nun streiten, aber jeder Ghanaer ist sich sicher, dass Fufu ohne Widerrede aus Ghana kommt. Nicht umsonst ist es ja auch das ghanaische Nationalgericht, das die Ghanaer selbst nach 18 Uhr nicht mehr essen, da sie seit jeher der Meinung sind, dass es schwer im Magen liegt und länger dauert, bis es verdaut ist. Je früher am Tag man das Nationalgericht also zu sich nimmt, desto besser.

Gegessen wird es, wie könnte es anders sein, mit der rechten Hand. Mit den Fingern formt man mundgerechte Bällchen, tunkt sie in die Soße, in der das Fufu liegt und führt sie zum Mund. Viele finden, dass das Fufu sehr klebrig ist und sich deshalb schlecht kauen lässt, daher wird das Fufubällchen oft einfach direkt geschluckt.

Fufu mit Lightsoup

Fufu mit Lightsoup

In Ländern, in denen die Zutaten nicht erhältlich sind, gibt es Fertigfufu zu kaufen. Hier bei uns ist es in den vielen Afrikaläden erhältlich und auch in Ghana selbst kann man in den Supermärkten das Instant-Fufu kaufen. Hat man aber einmal Fufu im Original probiert, kann man der Instant-Variante nur schwer etwas abgewinnen.

Rezept: Fufu mit Lightsoup

Traditionell werden Cassava und die grünen Kochbananen im Verhältnis zwei zu eins in kleine Stücke geschnitten und für dreißig Minuten gekocht. Danach werden sie in einem großen Mörser mit Zugabe von Wasser so lange gestampft, bis eine zähe Masse entsteht.

Beim Stampfen sind immer zwei Personen beteiligt, da man es alleine nicht hinbekommen würde, das Fufu zu stampfen. Eine Person steht neben dem Mörser und stampft den Brei, die andere Person sitzt gegenüber und wendet den Brei immer genau zwischen den rhythmischen Schlägen. Das klingt erstmal komplizierter, als es ist. Zwar muss man auf seine Finger aufpassen, aber die Ghanaerinnen, die fürs Kochen zuständig sind, sind perfekt geübt und schauen oft auch gar nicht hin, wenn sie den Brei drehen.

Fufu stampfen

Fufu stampfen

Ist das Fufu fertig wird es abgedeckt und im Mörser aufbewahrt, bis die Lightsoup fertig ist.

Lightsoup

Lightsoup

Zutaten für die Lightsoup

  • 2 afrikanische Auberginen/ Gardeneggs
  • 1 scharfe Pfefferschote (je nach Geschmack können gerne mehr verwendet werden)
  • 1 ganze Zwiebel
  • 1/2, in kleine Würfel geschnittene Zwiebel
  • 3 frische Tomaten
  • beliebiges Fleisch oder geräucherter Fisch

1. Zuerst wird das Fleisch bzw der geräucherte Fisch mit den gewürfelten Zwiebeln und etwas Salz angebraten.

2. Danach Wasser, die ganze Zwiebel und die Pfefferschote hinzufügen und das Ganze ungefähr eine halbe Stunde kochen lassen.

3. Getrennt davon werden die Gardeneggs gekocht.

4. Die Zwiebel und die Pfefferschote aus der Brühe entfernen und zusammen mit den gekochten Gardeneggs und den drei Tomaten stampfen, bis eine cremige Masse entsteht. Wer möchte kann noch einen Maggie-Aufbrühwürfel hinzufügen.

5. Nun wird alles wieder zurück in den Topf gegeben und für weitere dreißig Minuten gekocht.

Fufu

Das ghanaische Nationalgericht: Fufu

Zum Schluß werden die Lightsoup und das Fufu, das zuvor noch portioniert wurde, zusammen in einen Suppenteller oder eine Schüssel gegeben und man kann es sich schmecken lassen.

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