Schweinfurt – Fränkische Tradition trifft auf Moderne

Oh ja, das schöne Franken ist meine Heimat. Doch musste ich, wie das oft so ist, meine Heimat erst verlassen um sie schätzen zu lernen. Nach Abenteuern in der Schweiz, München, England und Köln und viele Reisen später nenne ich heute das Frankenland wieder meine Heimat – genauer gesagt die schöne Stadt Nürnberg. Doch habe ich der Gegend rund um meine Heimatstadt lange Zeit nur wenig Beachtung geschenkt und bin lieber um die ganze Welt gereist. Die nächsten Monate werde ich nun im Rahmen der Kampagne „Die Fränkischen Städte“ insgesamt 14 fränkische Städte bereisen und darüber auf Reisehappen berichten. Mit dabei bei der Kampagne sind außerdem Christine von Lilies Diary, Stefanie von Smile4Travel und Annette von Culinary Pixel. Aus verschiedenen Blickwinkeln werden wir Franken unter die Lupe nehmen. Alle unsere Artikel und Posts findest Du übrigens auf dem Newsboard der fränkischen Städte. Erstes Ziel für mich war Schweinfurt, die Kunst – und Industriestadt, die Welthauptstadt der Kugellager und Stadt der Heckenwirtschaften im Fränkischen Weinland.

Schweinfurt mit dem E-Bike erkunden

Mit rund 50.000 Einwohnern ist Schweinfurt überschaubar und kann wunderbar zu Fuß erkundet werden, oder aber auch mit dem E-Bike. Schweinfurt und Umgebung bieten auf rund 1000 Kilometer Länge traumhafte Radwege. Geht natürlich auch mit dem normalen Fahrrad. Allerdings gibt es doch einige Hügel zu bewältigen, was mit dem E-Bike schon ein wenig leichter ist.

Leihen kannst du dir die E-Bikes in den Sommermonaten direkt in der Tourist-Information in Schweinfurt.

Sehenswürdigkeiten in Schweinfurt

Zu sehen und erleben gibt es in Schweinfurt viel. Zusammen mit Oli, meinem Gästeführer, durfte ich auf den Spuren der Vergangenheit Schweinfurts wandeln und einen Blick in die moderne Gegenwart der Stadt werfen.

Normal bin ich ja kein großer Museumsgänger, doch die beeindruckenden Museumsbauten Schweinfurts sollte man sich nicht entgehen lassen. So sind diese für Architekturfreunde alleine schon ein Highlight, aber auch die Exponate sind ein Genuss für die Augen.

Die Kunsthalle Schweinfurt

Eines der Museen, die Du bei einer Reise nach Schweinfurt keinesfalls verpassen solltest, ist die Kunsthalle Schweinfurt. Das Museum befindet sich in einem ehemaligen Hallenbad, welches 1933 vom Schweinfurter Industriellen Ernst Sachs gestiftet und gebaut wurde. Heute findest Du darin die städtische Kunstsammlung, die Exponate des Kunstvereins Schweinfurt und die Sammlung Joseph Hierling – Kunst der klassischen Moderne und Gegenwartskunst. Dazu kommen vier bis fünf Wechselausstellungen jährlich.

Die Kunsthalle Schweinfurt

Das Museum Georg Schäfer

Als Liebhaber moderne Architektur war das Museum Georg Schäfer für mich persönlich das absolute Highlight. Der riesige, aber luftige Bau des Museums ist preisgekrönt und macht viel der Atmosphäre des Museums aus. Wobei die Kunstwerke natürlich auch nicht zu verachten sind, schließlich ist die Privatsammlung eine der bedeutendsten im deutschsprachigen Raum.

Das Museum Georg Schäfer Schweinfurt

Die Altstadt von Schweinfurt

Neben den schönen Museen der Stadt ist vor allem die Altstadt von Schweinfurt sehenswert. Diese teilt sich in die drei historischen Quartiere Zürch, Altes Gewerbeviertel und Fischerrain.

Im Zürch

Zürch, das ehemalige Burgenviertel und „Dorf in der Stadt“, gilt als das älteste Viertel der heutigen Altstadt. Auch die Stadtmauer ist hier im Viertel noch nahezu komplett erhalten, während man andernorts in der Stadt nur noch Teile findet. Zürch lädt zu einem Bummel durch die engen gepflasterten Gassen mit den zum Teil winzigen Häuschen ein. Die Burg gibt es schon seit 600 Jahre nicht mehr, doch ist der Charakter des Burgenviertels bis heute erhalten geblieben.

Sehenswert ist vor allem der Ebracher Hof in der Rittergasse, einst der Amtssitz und Klosterhof des Kloster Ebrachs im Steigerwald. Das Gebäude brannte im zweiten Markgrafenkrieg 1554 komplett ab, wurde jedoch wieder aufgebaut. Seit 1698 blieb der historische Hof unverändert. Der südliche Teil des Hofs wurde zur neuen Stadtbücherei umgebaut. Auch hier sieht man, wie so häufig in Schweinfurt, die gelungene Kombination von Tradition und Moderne. So macht Bücher lesen einfach richtig Spaß!

Im Zürch, Schweinfurt

Stadtbücherei Schweinfurt

Nicht so alt wie das benachbarte Zürch ist der Marktplatz mit dem Rathaus von Schweinfurt, hübsch anzusehen aber trotzdem. Dienstag, Mittwoch, Freitag und Samstag findet hier der Wochenmarkt statt, bei dem Gemüse- und Obstbauern aus dem Landkreis ihre Waren anbieten.

Das Alte Gewerbeviertel

Das ehemalige Gewerbeviertel entzückt ebenfalls mit kleinen verwinkelten Gassen. Wahrzeichen des Viertels ist der Schrotturm, der Treppenturm eines noch erhaltenen Renaissance-Hauses. Der Turm wurde zur Herstellung von Schrotkugeln im 19. Jahrhundert um vier Geschosse erhöht. Von oben hat man einen tollen Blick über das Viertel. Darüber hinaus findet man im Alten Gewerbeviertel viele nette kleine Lokale und Restaurants.

Der Fischerrain

Der Fischerrain wurde 1383 das erste Mal erwähnt. Die Fischersiedlung war einst ein typisch fränkisches Wirtshaus-Quartier mit zahlreichen Restaurants und Fischhäusern, von welchen aber nur noch wenige existieren. Ein Bummel durch das hübsche Viertel lohnt trotzdem, alleine schon um bei der Fisch-Inge, dem Fischhaus Dittmar, vorbeizuschauen und die köstlichen Räucherfischköstlichkeiten zu probieren.

Kulinarische Highlights in Schweinfurt

Und wenn wir schon bei der Fisch-Inge sind, dann manchen wir doch gleich kulinarisch weiter. Denn essen kann man in Schweinfurt wie Gott in Franken. Man isst Fischspezialitäten aus dem Main, regionalen Spargel und natürlich die Schweinfurter Schlachtschüssel. Dazu trinkt man ein Fläschchen Frankenwein – das fränkische Gold, das schon Johann Wolfgang von Goethe zu schätzen wusste.

Die Ross Stuben im Hotel Ross

In der Ross Stuben im Hotel Ross trifft Tradition auf Moderne und traditionelle fränkische Küche auf moderne, internationale und puristische Einflüsse. Und genaue diese kreative Küche durfte ich bei einem Mittagessen kosten. Zur Vorspeise gab es eine Auswahl an Räucherfischen, natürlich von der Fisch-Inge. Der Hauptgang: regionaler Spargel, ganz klassisch mit Schnitzel und feinem Bärlauch-Schinken. Ein Hoch auf den Spargel. Nur schade, dass die Saison schon wieder viel zu bald vorbei ist. Für mich der absolute Knaller: Erdbeeren mit Vanilleeis und süßem Pesto. Die totale Geschmacksexplosion!

Ross Stuben im Hotel Ross

Den Küchenchef, der mir dieses köstliche Mal gezaubert hat, durfte ich nach dem Essen noch persönlich kennenlernen und einen Blick hinter die Kulissen werfen. Nicht nur das, ich durfte auch zuschauen wie aus frischen Pasta und Spargel ein saisonales, regionales und echt leckeres Pastagericht entsteht. So simpel und so gut!

Richtig gut ist auch die hoteleigene Vinothek „Rossino“ die neben einer exklusiven Auswahl an fränkischen Weinen auch internationale Spitzenweine und mehr anbietet. Nach dem ein oder anderen Glas kann man dann direkt in sein kuscheliges Bett im Hotel Ross fallen. Das familiengeführte 4-Sterne Hotel bietet neben gemütlichen komfortablen Zimmern übrigens auch ein Schwimmbad und eine Sauna über den Dächern der Stadt und ist sehr zentral gelegen. So steht einer Erkundungstour durch Schweinfurt nichts im Wege.

Das Weingut Dahms auf der Peterstirn

Das fränkische Gold, der Frankenwein, spielte und spielt heute in Schweinfurt wieder eine große Rolle. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Schweinfurt eine bekannte Weinstadt. 1802 wurden im Stadtgebiet 320 ha Rebfläche von 13 Winzern bewirtschaftet. Am 2. Mai 1917 bekam König Ludwig im Rathaus von Schweinfurt ein Glas Wein von der Peterstirn ausgeschenkt und auch Johann Wolfgang von Goethe schätzte den Frankenwein sehr. Heute sind von den 320 ha Rebfläche gerade noch 10 ha übrig und diese werden von der Winzerfamilie Dahms bewirtschaftet. Angebaut werden die klassischen Rebsorten Frankens: Silvaner, Müller-Thurgau, Bacchus, Scheurebe, Traminer und Riesling und als Rotwein Rondo.

Jürgen und Alex Dahms führen den Familienbetrieb auf der Peterstirn nun bereits in dritter Generation und in einem Gespräch und einer Führung über die Peterstirn durfte ich erfahren mit welcher Leidenschaft. Denn die spürt man in jedem Wort, wenn Jürgen anfängt Geschichten über die Peterstirn und das Weingut zu erzählen.

Vor einigen Jahren hatte es mich bereits durch Zufall zum Weinfest auf die Peterstirn verschlagen und ich hatte die Weine vom Weingut Dahms lieben gelernt. Doch den leidenschaftlich erzählten Geschichten von Jürgen bei einem Glas Wein zu lauschen und den Ausblick in die Weinberge zu genießen, das war noch einmal etwas ganz anderes.

Die Peterstirn, eine Burganlage des Markgrafen Berthold aus dem 10. Jahrhundert, ist heute das Wahrzeichen der Stadt Schweinfurt, doch ging von hier aus auch der Aufstieg Schweinfurts als Reichsstadt aus. Später wurde ein Teil der Anlage in ein Kloster des Deutschen Ordens umgewandelt. Die heutigen Gebäude gehen auf das 19. Jahrhundert zurück. Carl Sattler und Friedrich Herding erwarben die alte Burg damals vom Staat und errichteten 1874 das heutige Gebäude. 1895 kaufte die Familie Lebküchner das Anwesen, die eine große Weinhandlung in Schweinfurt besaß. Ab 1980 pachtete die Familie Dahms das Gelände von der Familie Lebküchner, bevor sie die Anlage 1994 erwarb und restaurierte. So erstrahlen die Turmzimmer heute wieder in historischem Glanz und können bei einer Weinverkostung auch besichtigt werden. Von Oben hat man einen grandiosen Ausblick auf die Stadt und die Weinberge.

Das Weingut Dahms auf der Peterstirn in Schweinfurt

Beim Weinfest, das zwei Mal jährlich stattfindet, kann man zwar nicht auf den Turm, dafür aber die lauen Sommernächte mit einem Glas Wein und regionalen Köstlichkeiten im Burginnenhof oder an einem lauschigen Plätzchen am Weinberg verbringen.

Ganz nach dem Motto „Das Leben ist viel zu kurz um schlechten Wein zu trinken!“ von Johann Wolfgang von Goethe kannst du die Weine auch in der neugestalteten Weinstube der Winzer Dahms im Zürch verkosten oder über den Online Shop ein paar Flaschen nach Hause bestellen.

Die kleine Kaffeerösterei

Vom Wein zum Kaffee, denn auch hierfür gibt es eine Spezialistin in Schweinfurt. In der kleinen Kaffeerösterei von Elke Hofmann duftet es schon beim Betreten köstlich nach frischem Kaffee.

Der Rohkaffe wird direkt von Kaffeebauern aus verschiedenen Anbauländern rund um den Äquator erworben und in einem Trommelröster im Ladengeschäft in der Altstadt schonend veredelt. Säuren und Bitterstoffe werden bearbeitet, sodass magenfreundliche köstliche Kaffees entstehen. Für Liebhaber von sortenreinen Kaffees kann ich zum Beispiel den Nicaragua „Women’s Fund Project“ empfehlen. Geschmacklich ist der Spezialitätenkaffee aus der Region Jinotega, der ausschließlich von Frauen produziert wird, ein Highlight. Das Ziel dahinter ist es den Frauen den Erhalt ihres Landes zu ermöglichen und die Lebensbedingungen der Familien zu verbessern. Ebenfalls zu empfehlen ist die würzige Kaffeemischung Schweinfurter Stadt-Kaffee.

Zum Ladengeschäft gehört außerdem ein kleines Café. So kannst Du Deinen Espresso, Cappuccino oder Filterkaffee auch direkt vor Ort genießen. Neben Kaffee findet man aber auch hochwertige Schokoladen und kleine Accessoires.

Die kleine Kaffeerösterei Schweinfurt

Weitere Tipps für Schweinfurt

  • Übe Dich im Stand Up Paddling auf dem Main und lass den Sommertag bei einem leckeren Cocktail am chilligen Schweinfurter Stadtstrand ausklingen.
  • Gehe auf das ein oder andere Gläschen Frankenwein ins Türmle – Schweinfurts kleinste Weinstube in einem ehemaligen Pulverturm. Die Auswahl an fränkischen Weinen und Köstlichkeiten aus der fränkischen Küche ist groß.
  • Wirf einen Blick in den Concept Store Michiko Moore, oder kleide Dich einfach komplett neu ein. Bei Michiko Moore gibt es nämlich echt coole Streetwearklamotten und minimalistische Mode von coolen Brands aus Deutschland, London, Paris und Skandinavien und das Ganze zu bezahlbaren Preisen.
  • Nützliches und weniger Nützliches, aber Dekoratives, gibt es bei Casalino in der alten Poststation. Neben coolen Wohnaccessoires findest Du hier auch stylische Küchengeräte und -utensilien, Gewürze, hübsche Servietten und alles was das Foodie- und Designerherz höher schlagen lässt.

Schweinfurter Stadtstrand

Türmle – Schweinfurts kleinste Weinstube

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Warst Du schon mal in Schweinfurt? Hast Du vielleicht noch weitere coole Tipps? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!


Dieser Artikel entstand im Rahmen der Kampagne „Die Fränkischen Städte“ zusammen mit dem Tourismusverband Franken.