…und was Du sonst so über Vanille wissen solltest - von der Geschichte, über die Produktion bis zur Verwendung in der Küche

Die Bourbon-Vanille kennst Du sicherlich oder?

Aber hast Du auch schon mal die von der Vanilleinsel Taha’a in Französisch Polynesien probiert?

Im Folgenden findest Du einiges über die Geschichte und Produktion der Vanille, sowie über die beiden Sorten und die Verwendung in der Küche.

Am Ende kannst Du selbst entscheiden, welche nun die Beste ist! Oder Du probierst sie einfach, das macht die Entscheidung leichter!

Vanille – Die Königin der Gewürze

Zunächst einmal einige allgemeine Informationen zur Vanille. Sie wird die Königin der Gewürze genannt und das, da sie, nach Safran, das zweitteuerste Gewürz der Welt ist.

Die Vanille ist die Kapselfrucht einer Orchideenart aus Mexiko und wurde bereits von den Azteken geschätzt. Die Azteken nannten Vanille die „schwarze Blume“.

Die spanischen Seefahrer brachten die Pflanze vor etwa 400 Jahren erstmals nach Europa.

Sie nannten die Frucht „kleine Hülse“: Vainilla.

Die Vanille ist übrigens eine Kletterpflanze, welche zum Wachsen eine Wirtspflanze benötigt. Diese Rolle übernehmen häufig Palmen, welche heute speziell dafür angepflanzt werden. Die Ranken der Vanille werden bis zu 10 m Lang.

Das Vanille-Monopol

Vom 16. bis ins 19. Jahrhundert hatte die spanische Seemacht das Monopol über die Vanille, die damals ausschließlich aus Zentralamerika kam. Der Anbau von Vanille ausserhalb Zentralamerikas schlug lange fehl. Die Pflanzen bekamen keine Früchte, da außerhalb Mexikos keine natürliche Bestäubung stattfand. Diese wird nämlich ausschließlich von in Zentralamerika beheimateten Melipona-Bienen übernommen.

Die künstliche Befruchtung der Vanilleblüten

Für den Menschen war die künstliche Befruchtung bis 1841 eine unlösbare Aufgabe. Auf Réunion gelang es dann jedoch einem 12 jährigen Sklavenjungen die Befruchtung der Vanilleblüten per Hand durchzuführen und so werden die Blüten noch heute befruchtet: Die Blüten der Orchidee werden mit einem dünnen Bambusspiess geöffnet und die Pollen werden vom Staubgefäss auf die Narbe gestrichen.

Die Vanilleblüte

Die Vanilleblüte

Jeden Tag öffnet sich am frühen Morgen jeweils nur eine Blüte einer Rispe für etwa 2 Stunden und kann bestäubt werden, dann fällt die Blüte ab. Am nächsten Tag können die nächsten Blüten bestäubt werden und so weiter.

Bei erfolgreicher Bestäubungen wachsen 6-10 Monate später die Schoten heran. Sie sehen aus wie Stangenbohnen, die von Lianen hängen. Die Vanille auf Madagaskar und Réunion platz bereits vor der Reife auf und wird aus diesem Grund grün, nach etwa 6 Monaten, geerntet. Auf Taha’a wird geerntet sobald die Schoten gelb-braun sind, nach etwa 10 Monaten.

Die Schoten entfalten übrigens erst 4-6 Monate nach der Ernte ihr Aroma. Direkt nach der Ernte sind die Schoten komplett geschmacks- und geruchlos.

Vanille beim trocknen

Vanille beim Trocknen

Die Schoten auf Madagaskar werden zunächst 2-3 Minuten in heißes Wasser getaucht, dann in Tücher eingeschlagen und 1-3 Tage in der Sonne getrocknet. Dadurch werden die Schoten fermentiert und erhalten ihre typische Farbe. Die Schoten werden, genauso wie auf Taha’a, jeden Tag einige Stunden zum Trocknen in die Sonne gestellt und dann zurück in den Schatten. Erst wenn die Schoten um die Hälfte geschrumpft sind gehen sie in den Handel. Die Kunst besteht darin, dass sie Schoten die Feuchtigkeit verlieren, aber nicht trocken werden.

Vanilleschoten

Vanilleschoten

Die Bourbon-Vanille: Der Stolz Madagaskars

Die Bourbon-Vanille wurde ursprünglich auf der Insel Réunion, die früher Île Bourbon hieß, angebaut. Seit der französischen Kolonialisierung im 19. Jahrhundert ist der Hauptproduzent allerdings die Nachbarinsel Madagaskar. Die Insel ist heute der weltweite Haupterzeuger von Vanille, zum Teil werden hier 50% des Weltbedarfs angebaut. Réunion dagegen spielt heute keine Rolle mehr im Anbau des teuren Gewürzes.

Doch ist die Bourbon-Vanille auch wirklich die beste Vanille der Welt?

Madagaskar, 4000 km vor der Ostküste Mosambiks, mitten im Indischen Ozean, ist etwa so groß wie Frankreich und hat 22 Millionen Einwohner. Nach Indonesien ist die Insel flächenmässig der zweitgrößte Inselstaat.

Idyllisches Madagaskar

Idyllisches Madagaskar

Hier werden Pfeffer, Nelken, Kakao, Zimt und natürlich Vanille angebaut. Aber nur hier wird die Gewürzvanille (Vanilla Planifolia) angebaut, welche heute unter dem Namen Bourbon-Vanille bekannt ist.

Nur in einem relativ kleinen Teil Madagaskars, im Nordosten, hauptsächlich in den Orten Antalaha, Sambava und Andapa, wird die Vanille angebaut und ernährt dort Tausende von Kleinbauern.

Auf Madagaskar wird natürlich behauptet, dass keine Vanillesorte mit ihrer mithalten kann. Da die Vanilla Tahitensis einen niedrigeren Vanillingehalt hat und die Böden auf Taha’a auch nicht so gut wären, wie die heimischen auf Madagaskar.

Taha’a: Das Paradis schmeckt nach Vanille

Taha’a, die Vanilleinsel, gehört zu den Gesellschaftsinseln in Französisch Polynesien und bildet zusammen mit Huahine, Raiatea und Maupiti die „Inseln unter dem Winde“. Die Inseln liegen ca. 230 km nordwestlich von Tahiti.

Taha’a: Das Paradis schmeckt nach Vanille

Taha’a: Das Paradis schmeckt nach Vanille

Auf Taha’a leben gerade einmal 5000 Menschen und irgendwie steht hier die Zeit still. Das Innere der Insel ist bis heute nicht erschlossen. Es gibt nur einige kleine Siedlungen und wundervolle weiße Sandstrände.

Dennoch werden hier 80% der berühmten Tahiti Vanille produziert. Den Duft der Vanille riecht man auf der ganzen Insel und Taha’a ist ein einziger duftender Garten.

Erst 1848 wurde die Vanille auf Tahiti eingeführt und fand auf der Vulkaninsel Taha’a paradiesische Verhältnisse. Der Boden ist humusreich, locker und auf der Insel herrschen konstante Temperaturen von 20-30°C und hohe Luftfeuchtigkeit. Die Vegetation der Tropen spendet außerdem Schatten und die Vanille hat eine große Auswahl an Wirtsbäumen.

Auf Bora Bora heiraten Touristen auf Taha’a die Vanille

Bora Bora ist bekannt als Paradies für die Flitterwochen, auf Taha’a geht es um einiges ruhiger und ursprünglicher zu.

Wie auch auf Madagaskar und La Réunion gibt es hier keine speziellen Insekten, wie in der mexikanischen Heimat, welche die Vanille bestäuben, sonst wäre das Paradies ja auch perfekt. So werden die Orchideen auch hier künstlich bestäubt.

Diese künstliche Bestäubung nennt man auf Taha’a „Hochzeit“. Wie diese Hochezit abläuft habe ich Dir ja bereits oben beschrieben.

Die Vanilla Tahitensis, welche auf Taha’a angebaut wird, ist eine zufällig entstandene Unterart. Dank des blumigen Duftes und des intensiven Aromas, dreimal so intensiv wie die Konkurrentin aus Madagaskar, wird sie von den Einheimischen die Königen der Vanille genannt. Sie kostet übrigens auch das dreifache der Madagaskar-Vanille.

Die Tahiti Vanille ist bis heute, nach Safran, das teuerste Gewürz der Welt, auf Grund der Qualität, aber auch auch wegen den hohen Produktions- und Frachtkosten.

Qualität und Lagerung

Gute Vanilleschoten erkennt man daran, dass sie schwarz glänzen und geschmeidig sind. Die beiden Enden der Schoten sollten gut verschlossen sein. So sind die Schoten bei richtiger Lagerung etwa 3 Jahre haltbar. Es bildet sich zwar häufig ein weißer Belag, dies ist aber kein Schimmel, sondern Vanillin, reines kristallisiertes Vanilleöl.

Am Besten lagert man die Schoten luftdicht: in Plastikdosen oder fest verschraubten Gläsern bei ca. 15°C.

Sollten die Schoten doch einmal eingetrocknet sein: einfach 24 Stunden ein Stück Apfel mit in die Dose oder das Glas geben. Das wirkt Wunder!

Welche nun die beste Vanille der Welt ist?

Darüber kann man wohl streiten… Die Einen sagen so, die Anderen so.

Ich finde die intensivere Bourbon-Vanille macht sich wunderbar in Süßspeisen wie Crème Brulée, Vanilleeis, oder auch Kuchen. Die feine Tahiti-Vanille eignet sich dagegen gut für herzhafte Gerichte. Man kann damit weißes Fleisch, aber auch Seezunge oder Lachs abschmecken.

Karotten nehmen die Vanille ebenfalls gut an und erhalten ein exotisches Aroma, eine Kürbissuppe mit Vanille verfeinert ist ein absoluter Genuss.

Vanille harmoniert wunderbar mit anderen tropischen Gewürzen wie Zimt, Nelken aber auch Chili.

Nun solltest Du die beiden Vanillesorten selbst ausprobieren und mir dann berichten, welche Du am liebsten magst!

Hast Du Lieblingsgerichte mit Vanille? Schreib mir diese doch in den Kommentaren!

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