Eine Stadtführung durch das Scheunenviertel und die Spandauer Vorstadt

Letzte Woche war ich auf der ITB in Berlin. Anstrengende Tage liegen hinter mir, die Füße taten weh und der Kopf brummte.

Neben dem Stress auf der ITB durfte ich aber dank Rent-a-guide* auch an einer tollen Tour durch Kreuzberg 61 und durch das Scheunenviertel, die Spandauer Vorstadt und die Hackeschen Höfe teilnehmen. Und Elfie meine liebenswerte private Stadtführerin hat mir ihr Viertel gezeigt, gespickt mit ganz vielen tollen Anekdoten, kulinarischen Tipps, Insidertipps für Berlin und einem immensen Wissen über die Berliner Kunstszene.

Das Scheunenviertel und die Spandauer Vorstadt

Die Spandauer Vorstadt ist ein historischer Bezirk im heutigen Berlin Mitte. Hier herrscht noch so etwas wie Altstadtatmosphäre im modernen Berlin. Es gibt kurvige Strasse, Höfe mit wunderschönen und interessanten Innenhöfen und viele toll renovierte Altbauten. Heute gilt das Viertel in Berlin Mitte aber auch als beliebtes Ausgehviertel und Szeneviertel.

Das Scheunenviertel ist der östliche Teil der Spandauer Vorstadt. Einst war das Scheunenviertel ein jüdisches Viertel, welches noch heute geprägt ist von der jüdischen Geschichte. Aber auch ehemalige Strafgefangene, Prostituierte und die Bohème nannten den Kiez vor dem ersten Weltkrieg ihr Zuhause.

Der Name Scheunenviertel stammt aus dem 17. Jahrhundert, als aufgrund von Feuerschutzverordnungen das Lagern von brennbaren Baumaterialien, Stroh und Heu innerhalb der Stadtmauern verboten wurde. So wurden hinter dem Oranienburger Tor 27 Scheunen gebaut um die Materialien dort zu lagern. Nach dem Abriss der Stadtmauer wurde des Viertel neu bebaut, behielt aber seinen Namen. Im 18. Jahrhundert zogen immer mehr Menschen in die Spandauer Vorstadt, da die Mieten hier günstig waren. Ab 1737 mussten darüber hinaus alle Berliner Juden, die kein eigens Haus besaßen, auf Befehl von Friedrich Wilhelm I. ins Scheunenviertel ziehen. Der Kiez galt als Schmelztiegel der Armut, aber eben auch das Zentrum des jüdischen Lebens in Berlin.

In den 20er Jahren lebten etwa 160.000 Juden in Berlin. Das Scheunenviertel wurde im 19. Jahrhundert Heimat der vielen armen, streng orthodoxen Ostjuden, die nach Pogromen in Russland, der Ukraine, Litauen und Polen auf der Suche nach billigen Wohnungen waren. So entstand ein jüdisches Ghetto mit Betstuben, Druckereien für hebräische Bücher und koscheren Lebensmittelgeschäften.

Im westlichen Teil der Spandauer Vorstadt rund um die Neue Synagoge in der Oranienburger Strasse lebten dagegen die besser gestellten Juden, auch wenn dieses Viertel heute noch häufig dem Scheunenviertel zugerechnet wird, eigentlich gehört es nicht dazu.

Sehenswerte Höfe in Berlin Mitte

Die Heckmannhöfe sind neben den Hackeschen Höfen heute wohl die Bekanntesten und wahrlich kein Geheimtipp mehr. Aber auf dem Weg von der Neuen Synagoge zum Postfuhramt entlang der Oranienburger Strasse lohnt trotzdem ein Abstecher. Denn die Heckmannhöfe sind wirklich liebevolle gestaltet, im Sommer wunderschön bepflanzt und es gibt ein paar nette kleine Cafés und Geschäfte. Das Restaurant Ross bietet eine sehr leckere und kreative Küche, die Du auf jeden Fall mal ausprobieren solltest. Außerdem befindet sich in den Heckmannhöfen heute eine Bonbonmacherei. Hier kannst Du nicht nur leckere Bonbons kaufen, sondern auch dabei zuschauen wie die Bonbons noch von Hand produziert werden.

Die Heckmann Höfe

Die Heckmann Höfe

Die Bonbonmacherei in den Heckmann Höfen

Die Bonbonmacherei in den Heckmann Höfen

Die Hackeschen Höfe bestehen aus insgesamt 8 Höfen mit wunderschönen Jugendstilfassaden und gelten noch heute als größtes Gewerbehofensemble in Deutschland. Schon früher fand hier eine Mischnutzung statt. Es gab Geschäfte, Manufakturen, Wohnungen aber auch Festsäle und das hat sich bis heute nicht wirklich geändert. Es gibt heute etwa 40 Gewerbeunternehmen, von Architekten über PR-Agenturen, aber auch Designerläden im Erdgeschoss und Wohnungen in den oberen Geschossen. Darüberhinaus gibt es einige nette Restaurants, Cafés, das Hackesche Höfe Kino und ein Varieté.

Die Hackeschen Höfe

Die Hackeschen Höfe

Die Rosenhöfe direkt neben den Hackeschen Höfen sind etwas weniger bekannt, aber nicht weniger schön. Auffällig ist vor allem die wunderschöne Bepflanzung in den Höfen. Große Modeketten, aber auch einige kleine Designerläden sind hier beheimatet.

Das Haus Schwarzenberg gehört weder zu den Hackeschen Höfen noch zu den Rosenhöfen. Es liegt genau dazwischen und fällt irgendwie auch völlig aus dem Rahmen. Während die beiden Höfe wunderschön renoviert und aufgeräumt sind ist das Haus Schwarzenberg Synonym für alternative Kunst und Subkultur. Unzählige Graffitis finden sich an den Wänden und noch heute hat der Hof das Flair der 90er Jahre kurz nach der Wende. Bei Swing Musik kannst Du hier einen leckeren Kaffee in Café Cinema genießen.

Das Haus Schwarzenberg

Das Haus Schwarzenberg

Die Auguststrasse

Die Auguststrasse ist heute die schicke 950 m lange Kunstmeile in Berlin Mitte. Große Teile der Strasse gehören zum denkmalgeschützten Bauwerkensemble Spandauer Vorstadt.

Schon Mitte des 19. Jahrhunderts siedelten sich jüdische Familien hier an und prägten das gesamte Viertel bis 1930.

In der Strasse befanden sich schon damals ein jüdisches Krankenhaus, eine jüdische Mädchenrealschule und ein Kinderheim. Die 9 Stolpersteine in der Strasse erinnern an die Zeit der Deportationen.

In der ehemaligen DDR wurde wenig getan diese wunderschöne Strasse zu erhalten. Nur Häuser die im Krieg zerstört wurden, wurden wieder aufgebaut. So wurden die Strasse nach Öffnung der Mauer vor allem ein Ziel von Hausbesetzern. Aber auch viele Galleristen mieteten die verlassenen Gewerbeobjekt und bis 2014 entstanden über 60 Kunstgalerien. Ende der 90er Jahre fand eine umfassende Renovierung der Strasse statt, die Stuckfassaden der alten Häuser wurden erneuert, aber auch die typischen DDR Plattenbauten wurden renoviert.

Sehenswert sind vor allem folgende Gebäude in der Auguststrasse

Bereits 1913 eröffnete Fritz Bühler in der Auguststrasse das Tanzlokal Bühlers Haus. Bekannt wurde es untere dem Namen Clärchens Ballhaus, wie es seine Witwe Clara liebevoll nannte, nach dem Fritz im ersten Weltkrieg gefallen war. In Clärchens Ballhaus tanzte einst die gehobene Gesellschaft Berlins. Stammgäste wie Alfred Döblin oder Heinrich Zille gingen hier ein und aus. Aber auch heute wird hier noch getanzt und es finden viele Veranstaltungen statt. Du kannst aber auch einfach vorbeischauen um in der urigen Atmosphäre, oder im netten kleinen Biergarten, einen Kaffee oder Snack zu genießen und wenn Du Glück hast kannst Du einen Blick in den Tanzsaal und den prächtigen und dekadenten historischen Spiegelsaal werfen. Ein Teil des Personals ist hier übrigens bereits seit vor der Wende angestellt, hier trifft Du wirklich noch Berliner Originale und Charaktertypen.

Clärchens Ballhaus

Clärchens Ballhaus

Ebenfalls in der Auguststrasse befindet sich das ehemalige jüdische Kinderheim AHAWAH, dessen Geschichte in dem Film „Haus aus Liebe“ sehr eindrücklich erzählt wird. Denn die ehemalige Leiterin des Heims schaffte es zwischen 1934 und 1939 etwa 100 jüdische Kinder vor der Deportation zu retten und nach Palästina zu bringen. Hier wird die Arbeit der AHAWAH bis heute fortgesetzt. Nach ihrem plötzlichen Tod wurden alle in Berlin verbliebenen Kinder ins KZ Auschwitz gebracht.

Danach wurde das Haus ein Sammellager für alte und kranke Menschen, die von hier aus von der Gestapo in die Vernichtungslager deportiert wurden. Später wurde es wieder Schule und Internat und man vergass, was in diesem Haus einst geschah. Heute hat die jüdische Gemeinde Berlins das Haus zurückerhalten und man plant das Haus wieder für soziale Zwecke zu nutzen.

Die ehemalige jüdische Mädchenrealschule in der Auguststrasse ist heute Heimat vieler Kunstausstellungen, des Sterne-Restaurants Pauly Saal* und des Deli Mogg & Melzer*. Hier gibt es übrigens die besten Pastramisandwiches außerhalb von New York. Aber auch das Flair der alten Schule findet sich noch im Gebäude und viele Fotos und Erklärungen zeugen von vergangenen Zeiten. Besonders sehenswert ist wie ich finde die CWC Gallery, eine Dependance von CAMERA WORK, die tolle zeitgenössische Fotografien, Malerei und Skulpturen zeigt.

Skulptur »Security Guard« von Marc Sijan im Eingangsbereich der CWC Gallery

Skulptur »Security Guard« von Marc Sijan im Eingangsbereich der CWC Gallery

Im me Collectors Room Berlin zeigt der ehemalig Aufsichtsratsvorsitzende der Wella AG Thomas Olbricht seine außergewöhnliche Kunst und Raritätensammlung. Und selbst wenn Dich Kunst nicht so interessiert lohnt ein Abstecher in das nette Café und den tollen Shop. Hier findest Du viele tolle Bildbände aber auch ausgefallene Geschenkideen.

Die Oranienburger Strasse

Auch die Oranienburger Strasse ist mit der jüdischen Geschichte der Stadt eng verknüpft. Denn schon im 19. Jahrhundert stand hier die größte Synagoge der Stadt. 3200 Menschen konnte die Neue Synagoge in der Oranienburger Strasse einst aufnehmen und galt als Zentrum des jüdischen Gemeindegeschehens in Berlin, aber auch als Hauptsynagoge Deutschlands.

Gebaut wurde die Synagoge nach Entwürfen von Eduard Knoblauch von seinem Schüler Friedrich August Stüler im 19. Jahrhundert. Erstaunen mögen die orientalischen Elemente an der Synagoge, doch Knoblauch war ein großer Fan der spanischen Alhambra in Grenada und ließ einige der Elemente in seine Entwürfe einfließen. Die Einweihung 1866 erlebten weder Knobloch noch Stüler und zum Glück auch nicht die „Reichskristallnacht“ am 9. November 1938. Denn in dieser Nacht brannten Teile der Synagoge aus. Später wurde die Synagoge durch Bomben der Alliierten weiter zerstört. Doch seit 1995 erstrahlt die goldene Kuppel der Synagoge wieder in vollem Glanze und kann samt der Ausstellung zu Geschichte der Juden in Berlin besichtigt werden.

die Neue Synagoge

die Neue Synagoge

Weitere sehenswerte Highlights in der Oranienburger Strasse sind das Kaiserlich Postfuhramt mit seinen 26 Porträts bekannter Persönlichkeiten, die mit dem Postwesen zu tun hatten. Aber auch der Kunsthof ist einen Besuch wert. Zum Verschnaufen lohnt sich anschließend ein Besuch im Monbijoupark oder Du setzt Dich einfach in eines der unzähligen Cafés und Restaurants mit Spezialitäten aus aller Welt.

Elfi könnte Dir über Ihr Viertel sicherlich noch viel viel mehr erzählen als ich das hier kann. Ich hoffe jedoch ich konnte Dir einen kleinen Einblick geben und falls Du nun Berlin auch mal von einer etwas anderen Seite kennenlernen möchtest, kannst Du diese tolle Tour hier* buchen.

Hast Du auch noch ein paar tolle Berlin Insidertipps für mich? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

– Zu dieser Stadtführung wurde ich von rent-a-guide.de eingeladen. Die Meinung ist wie immer zu 100% meine eigene und wurde durch die Einladung nicht beeinflusst! –


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